Griechische Tourismusverbände rechnen damit, dass die Pleite des britischen Reisekonzerns Thomas Cook den Tourismussektor des Landes bis zu 500 Millionen Euro kosten könnte. Für die heimische Wirtschaft sei es "der stärkste Schlag seit der Finanzkrise", schrieb am Dienstag die Wirtschaftszeitung "Naftemporiki".

Im Ranking der fünf wichtigsten Destinationen von Thomas Cook lag Griechenland auf Platz drei. 2018 brachte das Unternehmen rund 2,8 Millionen Besucher ins Land. Vor allem Hoteliers auf Kreta, Rhodos und Kos kooperierten eng mit den Briten.

Wehklagen gibt es auch in Spanien: Die dortige Tourismusbranche wird allein wegen noch offener, von Thomas Cook nicht beglichener Rechnungen schätzungsweise mindestens 200 Millionen Euro verlieren. Diese Verluste träfen große Hotelketten wie Meliá und Iberostar, aber auch mittlere und kleinere Unternehmen, sagte der Vizepräsident des Reiseunternehmerverbandes Exceltur, José Luis Zoreda, am Dienstag.

Zuvor hatte die Präsidentin des Hotelierverbandes von Mallorca, Maria Frontera, gewarnt, dass wegen der Pleite "die Zukunft vieler Unternehmen ernsthaft gefährdet" sei. Staatliche Hilfe werde auf jeden Fall nötig sein, damit diese Unternehmen überleben. Frontera sprach von "großen Sorgen".

Salzburger Hoteliers bangen ebenfalls um ihr Geld

Besorgt ist angesichts noch offener Rechnungen in Millionenhöhe auch der tunesische Hotelverband FTH. Derzeit warteten tunesische Hotels noch auf Zahlungen in Höhe von rund 70 Millionen Euro, sagte Mouna Ben Halima vom Hotelverband am Dienstag. Etwa 100 Unterkünfte in Hammamet sowie auf der Ferieninsel Djerba seien betroffen. 40 Hotels arbeiteten ausschließlich mit Thomas Cook zusammen. "Wir sind sehr besorgt, was die Zukunft dieser Hotels betrifft", sagte Ben Halima. Jährlich reisen nach Angaben des Hotelverbands rund 205.000 Touristen mit Thomas Cook nach Tunesien.

Nicht ohne Folgen dürfte die Pleite des ältesten Reiseveranstalters der Wert auch für österreichische Hoteliers - konkret etwa in Salzburg - bleiben. "Wir sind zwar deutlich weniger betroffen als Sonne-Sand-Meer-Destinationen wie Zypern, Tunesien, Spanien oder die Türkei", sagte Salzburgs oberster Tourismuswerber Leo Bauernberger der Austria Presse Agentur. "Für manche Hoteliers im Land dürften die Auswirkungen aber beträchtlich sein." Während das Geld von Pauschalreisenden komplett gesichert ist, "sind die Hoteliers von der Pauschalreiserichtlinie nicht abgesichert", wie Petra Nocker-Schwarzenbacher, Branchensprecherin in der Wirtschaftskammer, erklärt.

Berlin berät über Hilfskredit für Ferienflieger Condor

Indes könnte die Pleite der Thomas Cook Group plc noch weitere Kreise ziehen. Am Montagabend informierte die Thomas Cook Austria AG ihre Reisebüro-Partner darüber, dass sich die Zukunft von Neckermann Reisen sowie anderen Thomas-Cook-Reiseveranstaltern in Österreich bis Mittwochabend entscheiden soll.

Großbritannien will unterdessen 135.300 britische Touristen in den nächsten 13 Tagen nach Hause fliegen. Am Montag seien bereits 14.700 gestrandete Urlauber zurückgeholt worden, gab die Flugbehörde in London bekannt. Zusammen mit der Regierung und Airlines werde rund um die Uhr an Notfallplänen gearbeitet, um die größte Rückholaktion in Friedenszeiten zu stemmen.

Weltweit sind wegen der Pleite bis zu 600.000 Urlauber gestrandet. Als einzige der fünf Airlines von Thomas Cook hielt der deutsche Ferienflieger Condor den Betrieb am Montag aufrecht. Nach der Pleite der britischen Muttergesellschaft kämpft auch die einst zur Lufthansa gehörende Traditionsmarke ums Überleben. Die deutsche Bundesregierung will in den nächsten Tagen entscheiden, ob Condor ein Überbrückungskredit gewährt werden soll.

Von der Thomas-Cook-Pleite betroffen ist auch die AUA so wie die gesamte Lufthansa-Gruppe und andere Airlines. Ein AUA-Sprecher betonte aber, Urlauber ungeachtet der Insolvenz heimzubringen: "Grundsätzlich gilt, dass wir Passagiere mit einem gültigen Ticket jedenfalls bis auf Weiteres planmäßig aus ihrem jeweiligen Zielort zurückfliegen."