München. Zehn Jahre nach der Zwangsverstaatlichung der Münchner Skandalbank Hypo Real Estate ist kein Ende der finanziellen und juristischen Aufarbeitung in Sicht. Einst ein auf internationaler Bühne agierender Konzern, führt die HRE mittlerweile ein Schattendasein als staatliche GmbH, die in erster Linie mit dem Führen von Gerichtsprozessen beschäftigt ist: als Klägerin und Beklagte gleichzeitig.

Denn weder die Klagen der HRE gegen frühere Vorstände noch die Klagen ehemaliger Aktionäre gegen die Bank sind bisher entschieden. "Vom Abschluss dieser Klageverfahren hängt ab, wann die HRE als Gesellschaft aufgelöst werden kann", erklärt das deutsche Finanzministerium auf Anfrage. "Der Geschäftszweck der HRE ist ihr eigener Rückbau."

Vor zehn Jahren war die HRE nahezu täglich in den Schlagzeilen. Die Immobilienbank war im Zuge der Finanzkrise in eine so gefährliche Schieflage geraten, dass der deutsche Bund sich zur Verstaatlichung entschloss, um die ansonsten sichere Pleite zu verhindern. Am 13. Oktober 2009 wurden die letzten widerstrebenden Aktionäre mit einer Zwangsabfindung herausgedrängt, der Bund war damit hundertprozentiger Eigentümer. Die Verstaatlichung sollte eine noch viel größere Katastrophe verhindern. Eine Insolvenz hätte mutmaßlich einen Flächenbrand mit weiteren Bankpleiten nach sich gezogen.

Die überschlägige Kostenschätzung zehn Jahre später: an die 15 Milliarden Euro, zusammengesetzt aus den milliardenschweren Staatshilfen und den Verlusten der 2010 ausgegliederten Bad Bank. Der Bund stabilisierte die HRE Ende vergangenen Jahrzehnts mit Geldspritzen von fast 10 Milliarden Euro. Davon stehen beim Finanzmarktstabilisierungsfonds noch 7,6 Milliarden Euro in den Büchern. Auf der Haben-Seite zahlten HRE und die 2010 ausgegliederte Bad Bank FMS Wertmanagement 800 Millionen Euro Garantiegebühren für Bürgschaften an die Staatskasse zurück. Die Schlussbilanz der Staatshilfen steht aus und hängt vom Ausgang verschiedener Klagen ab.

Die Bad Bank hat in Summe bisher ebenfalls viel Geld verloren. 2010 gliederte die deutsche Bundesregierung HRE-Altlasten mit einem nominalen Wert von 175 Milliarden Euro in die Abwicklungsanstalt aus. Tatsächlich verloren gingen davon etwa 10 Milliarden Euro, ein Großteil davon zurückzuführen auf den Schuldenschnitt für Griechenland 2011.