München/Graz. Der Osram-Vorstand hat die Hoffnung auf ein Übernahmeangebot der US-Finanzinvestoren Bain Capital und Advent für den deutschen Lichtkonzern noch nicht aufgegeben. Auch am vergangenen Wochenende - also nach dem Scheitern des Offerts des steirischen Chip- und Sensorherstellers ams - seien noch große Teams von Bain und Advent im Datenraum gewesen und hätten die Bücher von Osram geprüft, berichtete Vorstandschef Olaf Berlien.

Er gehe davon aus, dass es die Beteiligungsfirmen mit dem vor zwei Wochen angekündigten neuen Offert ernst meinten, sagte Berlien am Donnerstag im Gespräch mit Analysten. "Ich hoffe, das war kein Witz", sagte er. Finanzvorstand Ingo Bank ergänzte, er gehe davon aus, dass sie zu ihrem Wort stünden, die Buchprüfung innerhalb weniger Wochen abzuschließen. "Wir können ihnen aber keine Frist setzen."

Berlien hatte stets klar gemacht, dass er ein Engagement von Finanzinvestoren einer Übernahme durch ams vorziehen würde. Der Einstieg von ams macht es für Bain und Advent allerdings schwer. Die in Premstätten bei Graz ansässige Hightech-Firma hat sich mit knapp 20 Prozent bei Osram eingekauft. Damit wäre es für die beiden US-Investoren fast unmöglich, auf die 75-Prozent-Mehrheit an Osram zu kommen, die sie für einen Beherrschungsvertrag bräuchten.

Gespräche mit neuem Großaktionär

Berlien sagte, er habe sich in dieser Woche zu persönlichen Gesprächen mit ams-Chef Alexander Everke getroffen. Osram hatte angekündigt, den Kontakt zu dem neuen Großaktionär zu suchen, um Chancen für eine Kooperation ohne eine Übernahme auszuloten. "Ich denke, wir sind in guten Gesprächen. Aber das ist erst der Anfang einer Diskussion", sagte der Osram-Chef.

Berlien ließ auch die Tür für einen neuen Anlauf der Österreicher offen. Osram habe seinen Aktionären von dem Offert von ams eben nicht aus finanziellen Gründen abgeraten, sondern wegen starker Bedenken gegen die strategischen Pläne mit dem Unternehmen.

"Wenn diese sich ändern, bin ich offen für ein Angebot", sagte Berlien. Die ams AG verstehe inzwischen besser, wie Osram funktioniere - etwa, dass die Kosten in der LED-Chip-Fabrik im malaysischen Kulim weit geringer seien als in Regensburg.Die Steirer hatten geplant, nach einer Übernahme Produktion von der schwach ausgelasteten Fabrik in Asien nach Bayern zu verlagern. (reuters/kle)