London/Frankfurt. Mit Erleichterung reagierten Anleger auf den Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen. "Es sieht nach einer sauberen Scheidung aus", sagte Jörg Krämer, Chef-Volkswirt der Commerzbank. Die Unklarheit, ob die notwendige Zustimmung des britischen Parlaments zu dem Abkommen erreicht wird, dämpfte die Kauflaune allerdings wieder.

Am Vormittag hatte der Kurs des Pfundes gegenüber dem Dollar und dem Euro jeweils stark zugelegt. Es verteuerte sich um 1,2 Prozent auf 1,2988 Dollar. Damit summierte sich das Plus der vergangenen sechs Handelstage auf rund sechs Prozent - die stärkste Rally seit mehr als 30 Jahren. Am Nachmittag sackte der Pfund-Kurs jedoch wieder ab. Der Wirtschaftswissenschafter Julian Jessop sagte der Nachrichtenagentur AFP, nach der anfänglichen Erleichterung sorgten sich die Märkte nun, dass das britische Parlament die Brexit-Vereinbarung ablehnen könnte. Sollte der Brexit-Deal ratifiziert werden, werde das Pfund auf mindestens 1,35 Dollar steigen, prognostizierte Nigel Green, Gründer und Chef des Anlageberaters deVere.

Börsen in London
und Dublin im Plus

Auch die Aktienmärkte reagierten durchwegs positiv, nachdem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der britische Premier Boris Johnson die Einigung bekanntgegeben hatten. Der Aktienindex für britische Werte, die ihr Hauptgeschäft auf dem Heimatmarkt machen, gewann 1,1 Prozent. Hier lagen Papiere von Baufirmen wie British Land oder Persimmon vorn. Letztere kletterten um bis zu 8,3 Prozent auf ein 15-Monats-Hoch von 2529 Pence. Der irische Aktienindex drehte ins Plus und rückte bis zu 0,6 Prozent vor. Der EuroStoxx50, der Frankfurter Leitindex DAX und der Wiener ATX legten ebenfalls leicht zu.

Getrübt wurden die Nachrichten von der nach unten revidierten deutschen Konjunkturprognose. Die Regierung in Berlin erwartet aufgrund schwächeren Welthandels ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent für das kommende Jahr. Im April hatte die Regierung noch ein Plus von 1,5 Prozent vorhergesagt. Für heuer bleibt die Prognose unverändert: Die Regierung erwartet im Einklang mit den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten ein Wachstum von 0,5 Prozent.