Die EZB wird nach Einschätzung von Volkswirten mit ihrem jüngsten Maßnahmenpaket zur Stützung der Konjunktur die Inflation im Euro-Raum kaum anschieben. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter Ökonomen bezweifeln 95 Prozent der Experten, dass durch die Schritte die Teuerung nennenswert in Richtung der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) getrieben wird. Diese strebt mittelfristig knapp zwei Prozent als Optimalwert für die Wirtschaft an. Sie verfehlt dieses Ziel aber bereits seit Jahren. Im September lag die Inflation lediglich bei 0,8 Prozent. Laut der Umfrage rechnen die Experten 2019 und 2020 nur mit einer Teuerung von im Schnitt 1,2 Prozent.

Die Notenbank hatte auf ihrer Sitzung im September ein umfassendes Maßnahmenbündel beschlossen, das unter anderem eine Zinssenkung, Erleichterungen für Banken und die Wiederauflage ihrer Anleihenkäufe umfasst. Teile des Pakets wie der Neustart der Staatsanleihenkäufe waren unter den Währungshütern allerdings umstritten. Rund ein Drittel der Euro-Wächter waren gegen neue Käufe.

An der Umfrage zu den Anleihenkäufen nahmen insgesamt 65 Experten teil. Etwa zwei Drittel der Volkswirte gehen davon aus, dass die EZB ihr Kaufprogramm in den nächsten zwei bis fünf Jahren beenden wird. 19 Volkswirte erwarten dessen Beendigung innerhalb von zwei Jahren, drei in fünf bis zehn Jahren. Die Ökonomen erwarten zudem, dass die EZB ihren Einlagensatz Anfang 2020 auf minus 0,6 Prozent senken und ihn dann mindestens bis 2022 unverändert lassen wird. Der Satz liegt aktuell bei minus 0,5 Prozent. Ein Minus bedeutet für Geldhäuser Strafzinsen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. Der Satz ist bereits seit 2014 negativ. (Reuters)