Können Benzin, Diesel und Kerosin nachhaltig und umweltfreundlich sein? Wäre es möglich Abgase von Flugzeugen, Autos und Lkw wieder in Energie umzuwandeln? Ja, sagt der österreichische Chemiker und Professor an der englischen Universität Cambridge, Erwin Reisner, der nun einen wissenschaftlichen Meilenstein gesetzt hat. Nach sieben Jahren intensiver Forschung hat er gefunden, was bislang als Utopie von unverbesserlichen Leugnern des Klimawandels galt: Die Umwandlung des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) - mit der Hilfe von Sonnenlicht - in Kraftstoff funktioniert.

Als Vorbild nahm sich Reisner die Photosynthese, mit der Pflanzen das CO2 aus der Umgebungsluft holen, um mit der Kraft der Sonne Energie zu gewinnen und Zucker zu speichern. Statt in Zucker soll es in Reisners Modell nun in klimaneutralen Brennstoff umgewandelt werden.

CO2 wird bei dem von Reisner und seinem Team erforschten Prozess ebenso aus der Luft gefangen. Der weitere Prozess ist jedoch komplizierter, läuft in vielen Zwischenschritten ab. Im Mittelpunkt stehen Katalysatoren, die die chemische Reaktion in Gang bringen. Reisner hat dafür geeignete Moleküle im Labor identifiziert und hergestellt. Sie nehmen in weiterer Folge die Energie des Sonnenlichts auf und verwerten diese.

"Es ist ein neutraler Zyklus"

In dem von Reisner hergestellten Prototypen wird aus CO2 gemeinsam mit Wasserstoff Synthesegas erzeugt. Aus dem Synthesegas kann dann Benzin, Diesel und Kerosin hergestellt werden. "Es ist ein neutraler Zyklus", sagt Reisner. "Es kommt CO2 raus, das wieder zur Herstellung verwendet wird."

"Im Moment können wir das noch nicht auf den Markt bringen, die Innovation braucht noch viele Fortschritte", sagt Erwin Reisner.
"Im Moment können wir das noch nicht auf den Markt bringen, die Innovation braucht noch viele Fortschritte", sagt Erwin Reisner.

Synthesegas werde schon heute megatonnenweise in der petrochemischen Industrie hergestellt. "Allerdings wird es aus fossilen Brennstoffen hergestellt, allen voran Erdgas. Wir arbeiten nun an der erneuerbaren Herstellung, an sonnenbetriebener erneuerbarer Energie", sagt der Wissenschafter.

Bleiben die Abgase von Flugzeugen, Autos und Lkw nicht weiterhin schädlich für den Menschen und die Umwelt? "CO2 an sich ist nicht gesundheitsschädlich, sondern N-Oxide und andere schwefelhaltige Abgase, die aus dem Auspuff rauskommen. Diese Abgase werden bei unserem Verfahren aber nicht hergestellt", erklärt Reisner.

Keine neuen Tankstellen

Vor sieben Jahren hat er mit der Forschung an dem Prototypen begonnen, finanziert aus Mitteln des österreichischen Wirtschafts-Ministeriums, der OMV und der Universität Cambridge.

Der Vorteil des flüssigen kohlestoffhaltigen Brennstoffes gegenüber Wasserstoff- und Elektro-Antrieben besteht in der bereits vorhandenen Infrastruktur. Es müssen keine neuen Tankstellen gebaut werden, keine schweren Batterien oder Wasserstoff-Tanks transportiert werden. "Man kann weiterhin fliegen", sagt Reisner. "Das Kerosin ist dann grün."
Wie geht es nun weiter?

"Das waren jetzt sieben Jahre lang Grundlagenwissenschaft, jetzt geht es in die anwendungsorientierte Wissenschaft", sagt Reisner. Man müsste mehrere Forschungsgruppen und Labors zusammenführen, damit komplementär gearbeitet werden könne. "Im Moment können wir das noch nicht auf den Markt bringen, die Innovation braucht noch viele Fortschritte." Deutliche Investitionen sind notwendig, damit Reisners Entdeckung langfristig eingesetzt werden kann.

Die Wissenschaft hat also vorgelegt. Jetzt liegt es an den Geldgebern, den Investoren aus der Wirtschaft und der Politik.