Frankfurt. Dank des verschärften Konkurrenzkampfes in der Finanzbranche sind Unternehmen im Euroraum einer EZB-Umfrage zufolge im dritten Quartal (Juli bis September) etwas leichter an Kredite gelangt.

In dem untersuchten Zeitraum lockerten Geldhäuser ihre Vergabestandards für Firmendarlehen wieder etwas, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Erhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Kreditinstituten hervorgeht.

Erst Mitte September  hat die EZB mit der Anhebung der Negativ-Zinsen den Druck auf die Geldhäuser erhöht, Zinsen zu vergeben. Ab November wird auch das Anleihenkaufprogramm der EZB neu aufgelegt - neue Zukäufe soll es im Umfang von 20 Milliarden Euro geben, um den Markt mit Liquidität zu versorgen.

Die Umfrage kam zu dem Schluss, dass vor allem der Wettbewerb unter den Banken dazu geführt habe, dass die Kredite leichter vergeben worden waren.  Auch für Immobiliendarlehen an Privathaushalte wurden die Vergabebedingungen etwas gelockert. Dagegen verschärften die Institute ihre Standards für Verbraucherdarlehen leicht. Für das vierte Quartal wird erwartet, dass Geldhäuser ihre Vergabestandards für alle Darlehensarten weitgehend unverändert lassen.

An der vierteljährlichen Umfrage, die von den Währungshütern stets genau unter die Lupe genommen wird, nahmen diesmal 144 Institute teil. Die Ergebnisse liefern der EZB wichtige Hinweise darauf, wie sich die Finanzierungsbedingungen entwickeln, die für die Geldpolitik wichtig sind.

Die Euro-Wächter hatten im September wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche eine erneute Lockerung ihrer Geldpolitik beschlossen. Zu dem umfangreichen Maßnahmenpakt gehört eine Zinssenkung, der Neustart der Staatsanleihenkäufe ab November, sowie Erleichterungen für Banken. Die Schritte waren intern teilweise stark umstritten. Der Deutsche-Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und andere Notenbanker hatten insbesondere die Anleihenkäufe kritisiert. Für die Zinssitzung an diesem Donnerstag in Frankfurt erwarten Experten keine besonderen Beschlüsse.

Allerdings wird diese letzte Zinssitzung von EZB-Präsident Mario Draghi voraussichtlich vom Streit über die jüngsten geldpolitischen Beschlüsse überlagert sein. Mehrere Euro-Wächter hatten Teile des September-Bündels offen kritisiert.

"Zum Ausklang seiner Amtszeit dürfte sich Draghi darum bemühen, die Wogen innerhalb der EZB wieder etwas zu glätten", sagt DZ-Bank-Zinsexperte Christian Reicherter. Der Italiener scheidet Ende des Monats nach acht Jahren aus dem Amt. Dann übernimmt die Französin Christine Lagarde das Ruder. (apa/reuters)