Der Ökostrom-Anteil in Deutschland ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf einen Rekordwert gestiegen - die erneuerbaren Energien haben Kohlestrom abgehängt. Nach Branchenangaben deckten erneuerbare Energiequellen aus Wind oder Sonne zusammen 42,9 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland. Das ist ein Plus von fast fünf Prozentpunkten zum Vorjahreszeitraum.

Zu diesem Ergebnis kommen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einer ersten Auswertung. Demnach erreichten die erneuerbaren Energien im März wegen des sehr starken Windaufkommens gar einen Anteil von 52 Prozent.

In den ersten drei Quartalen wurden den Angaben zufolge rund 183 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Sonne, Wind und anderen erneuerbaren Quellen erzeugt. Damit lagen die Erneuerbaren fast 50 Prozent über der Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle, die rund 125 Milliarden Kilowattstunden beitrugen. Im Vorjahreszeitraum lagen der Anteil der Erneuerbaren und jener der Kohle laut BDEW und ZSW noch fast gleichauf.

Für den Ausbau der Windkraft an Land fehlen Flächen

Die deutsche Regierung hat das Ziel, 2030 einen Anteil aus erneuerbaren Energien von 65 Prozent zu erreichen. Jedoch ist gerade der Ausbau der Windkraft an Land ins Stocken geraten. Hauptgründe sind lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen.

Der BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer sagte, die Rekordzahlen beim Öko-Stromanteil stünden im Kontrast zur dramatischen Situation beim Ausbau der Windenergie. "Aufgrund fehlender Flächen und immer restriktiverer Abstandsregelungen rutschen wir in eine regelrechte Rezession. Wenn die Politik nicht endlich die Bremsen für den Ausbau der Windanlagen lockert, werden wir das 65 Prozent-Ziel krachend verfehlen." Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW, forderte einen schnelleren Zubau der Photovoltaik.

Offshore-Wind als tragende Säule bei der Energiewende

Die Internationale Energieagentur IEA erwartet in den nächsten 20 Jahren einen enormen Ausbau von Windparks im Meer. Die weltweite Offshore-Windkapazität werde bis 2040 um das 15-Fache steigen, heißt es in einem Bericht, den die Agentur am Freitag in Kopenhagen vorstellte.

"Offshore-Wind macht derzeit nur 0,3 Prozent der weltweiten Stromerzeugung aus, hat aber ein enormes Potenzial", sagte Fatih Birol, Direktor der IEA. Dank schwimmender Turbinen, die weiter draußen auf See eingesetzt werden können, und sinkender Kosten könne die Offshore-Windenergie theoretisch den gesamten Bedarf mehrerer wichtiger Strommärkte decken, darunter Europa, USA und Japan. Es bleibt laut Birol noch viel zu tun für Regierungen und Industrie, damit Offshore-Windenergie zu "einer tragenden Säule der Energiewende wird". (apa/dpa)