Als Überlebenskünstler wird Paul Achleitner von Weggefährten bezeichnet. Als Kämpfer, der nicht klein beigibt. Doch den womöglich letzten Kampf seiner Karriere droht der Österreicher zu verlieren. Mehreren Insidern zufolge formieren sich wichtige Anteilseigner der Deutschen Bank zunehmend zu einer Front, die ihn als Chefkontrolleur des größten deutschen Geldhauses infrage stellt.

Vor allem die verschwiegenen Scheichs aus Katar, die einem Insider zufolge über zwei Fonds inzwischen fast zehn Prozent an dem größten deutschen Geldhaus halten, drängen mit der Sache vertrauten Personen zufolge auf eine Neubesetzung des Postens. Schon zur nächsten Hauptversammlung im Mai 2020 könne der Österreicher in die Geschichtsbücher des dann 150 Jahre alten Instituts eingehen.

"Die Uhr für Achleitner tickt schneller", sagt ein Vertreter eines Deutsche-Bank-Großaktionärs. "Spätestens bis zum kommenden Aktionärstreffen muss er einen Nachfolger präsentiert haben, sonst hat er ein Problem." Bereits bei der diesjährigen Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle verpassten ihm die Investoren einen Denkzettel - mehr als ein Viertel verweigerte ihm die Entlastung. Dem 63-Jährigen wird von manchen Anlegern vorgeworfen, er habe Top-Posten in der Bank mit den falschen Personen besetzt und zu lange am verlustreichen Investmentbanking festgehalten. Das stutzt Vorstandschef Christian Sewing nun zwar massiv zusammen. Eine erneut unglückliche Personalentscheidung brachte Achleitner, dessen Vertrag eigentlich noch bis 2022 läuft, jedoch noch mehr unter Druck.

Personalie nicht abgesprochen

Die Finanzaufsicht stellte sich Insidern zufolge in einem äußerst seltenen Vorgang gegen Ex-UBS-Vorstand Jürg Zeltner, der von Achleitner im Sommer eilig als Nachfolger für Richard Meddings in das Kontrollgremium beordert wurde. Insider berichten, dass er die Personalie im Vorfeld gar nicht mit den Behörden - wie sonst üblich - im Detail abgestimmt habe. "Seinem Ansehen hat das Desaster um Zeltner erheblich geschadet", sagt ein Aufsichtsratsmitglied, das seinen Namen nicht nennen möchte. "Das ganze Image der ganzen Bank leidet darunter."

Die Deutsche Bank, Achleitner selbst sowie ein Vertreter Katars lehnten eine Stellungnahme ab. Deutsche-Bank-Chef Sewing hatte sich vor wenigen Wochen öffentlich hinter Achleitner gestellt. "Auch wenn manche jetzt etwas anderes hören wollen: Ich bin froh, dass er da ist", sagte er auf einer Veranstaltung der "Rheinischen Post" über seinen Aufsichtsratschef.