Es wäre ein Zusammenschluss, der die Karten in der Autobranche neu mischt: Die beiden Autokonzerne PSA und Fiat Chrysler (FCA) verhandeln derzeit über eine Fusion, wie beide Konzerne am Mittwoch bestätigten.

Der französische Konzern PSA führt die Marken Peugeot, Citroen, Opel und Vauxhall, zu Fiat Chrysler gehören Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep, Lancia und Maserati. Gemeinsam würden sie, zieht man die Zahl der 2018 verkauften Fahrzeuge heran, den viertgrößten Autokonzern der Welt bilden. FCA will dem Vernehmen nach seinen Aktionären ein Zusammengehen mit einer Sonderdividende über 5,5 Milliarden Euro schmackhaft machen. Laut einem "Insider" könnte bereits am Donnerstag eine offizielle Vereinbarung zur Fusion präsentiert werden. Die "Wiener Zeitung" sprach mit dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer über die mögliche Fusion und die Zukunft des Autohandels.

- © M. Hirsch
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"Wiener Zeitung": Herr Dudenhöffer, warum wollen PSA und Fiat Chrysler fusionieren?

Ferdinand Dudenhöffer: Fiat Chrysler braucht dringend einen Partner: Sie haben alte Autos, keine E-Autos. Der Konzern würde also an den EU-Strafzahlungen zugrunde gehen (bis 2030 müssen die Autobauer den CO2-Ausstoß ihrer Neuwagenflotte um 37,5 Prozent im Vergleich zu 2021 senken, ansonsten drohen Strafen, Anm.). Daher wollen sie sich mit PSA zusammenschließen, die bei der E-Mobilität technisch weiter sind. Fiat Chrysler würde sich durch die Fusion stabilisieren.

Ferdinand Dudenhöffer ist Professor an der Universität Duisburg-Essen und leitet dort das Center Automotive Research (CAR). Er sprach am Montag auf Einladung des Vereins "Mein Auto" in Wien über die Zukunft des Autohandels. Anna Rauchenberger - © (c) www.annarauchenberger.com /
Ferdinand Dudenhöffer ist Professor an der Universität Duisburg-Essen und leitet dort das Center Automotive Research (CAR). Er sprach am Montag auf Einladung des Vereins "Mein Auto" in Wien über die Zukunft des Autohandels. Anna Rauchenberger - © (c) www.annarauchenberger.com /

Und was hätte PSA davon?

Die Franzosen wollen wachsen, sie waren bisher nur in Europa stark. Durch Fiat Chrysler, die am US-Markt gut vertreten sind, würden sie Zugang zu den USA erhalten.

Bisher werden nur Gespräche geführt, wie wahrscheinlich ist die Fusion?

Ich gehe davon aus, dass es den Deal gibt. Beide wollen den Deal, beide brauchen den Deal.

Welche Auswirkungen könnte die Fusion auf Österreich haben?

Fiat Chrysler hat bereits jede Menge Motorenwerke und Überkapazitäten. Bei einer Fusion würde sich das verschärfen, denn Opel besitzt ebenfalls Motorenwerke, wie etwa jenes in Wien-Aspern. PSA-Chef Carlos Tavares ist bisher einen scharfen Sanierungskurs gefahren und hat Personal abgebaut. Kommt es zur Fusion, müsste wieder restrukturiert werden: Opel wird meiner Einschätzung nach hier den schwarzen Peter ziehen.

Nicht nur Restrukturierungen, auch die E-Mobilität stellt die Autobranche vor Herausforderungen. Wie sollten die österreichischen Zulieferer darauf reagieren?

Sie müssen für Neues offen sein. Ein zentrales Thema ist die Leistungsfähigkeit der E-Auto-Batterien: Hier können die Zulieferer noch viel herausholen, wenn sie mit der Elektrochemie zusammenarbeiten, um das Material zu verbessern. Der chinesische E-Batterie-Hersteller Catl sucht etwa in Deutschland die Kooperation mit Zulieferern.