Die Wirtschaft der Eurozone trotzt der Brexit-Unsicherheit und dem internationalen Handelsstreit. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen Juli und September um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu und konnte damit überraschend sein Tempo halten, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. Ökonomen hingegen hatten nur mit einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent gerechnet. Zu Jahresbeginn war die Euro-Wirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen, im zweiten Quartal dann um 0,2 Prozent.

Eine der Bremsen im Währungsraum ist ihre größte Volkswirtschaft - Deutschland. Die Ökonomen und Regierungsberater vom Berliner DIW-Institut gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im abgelaufenen Sommerquartal um 0,2 Prozent geschrumpft ist. Bereits im Frühjahr hatte es ein Minus von 0,1 Prozent gegeben. Für Schwung und eine Überraschung sorgte zuletzt das Euro-Zonen-Schwergewicht Frankreich. Hier legte die Wirtschaft dank guter Inlandsnachfrage um 0,3 Prozent zu und damit stärker als erwartet. Spanien als viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone konnte sein Wachstumstempo von 0,4 Prozent halten.

Arbeitslosenquote verharrte im September bei 7,5 Prozent

Die Arbeitslosenquote im Euro-Raum verharrte derweil im September bei 7,5 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2008. Rund 12,3 Millionen Menschen waren laut Eurostat als arbeitslos gemeldet. Dies seien 33.000 mehr als im August, aber 738.000 weniger als vor einem Jahr. Unverändert blieb die Rangfolge unter den EU-Staaten: In Tschechien lag die Quote mit 2,1 Prozent am niedrigsten, gefolgt von Deutschland mit 3,1 Prozent. Die höchsten Werte gab es wie seit langem in Griechenland mit 16,9 Prozent (im Juli) und in Spanien mit 14,2 Prozent.

Die Inflation in der Euro-Zone hat sich im Oktober wegen billigerer Energie weiter vom EZB-Ziel entfernt. Die Verbraucherpreise legten nur noch um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag in einer Schätzung mitteilte. Im September waren es noch 0,8 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht mittelfristig Werte von knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunktur im Euro-Raum an. Da sie diesen Wert nach eigener Prognose noch längere Zeit verfehlen wird und zudem die Konjunktur abkühlt, hat sie höhere Strafzinsen auf Bankeinlagen und die Wiederaufnahme von Anleihekäufen beschlossen. Das soll Wirtschaft und Inflation anschieben.

(Reuters)