Fliegen ist günstig wie nie zuvor. Und das ist gut so. Über das Wochenende um 80 Euro nach Barcelona, ins ukrainische Charkiw, nach Varna ans Schwarze Meer. Oder im Sommerurlaub um 500 Euro nach Bangkok, Addis Abeba, Miami. Eintauchen in andere Kulturen, den Blick weiten, sich selbst ein Bild machen, Freunde finden. Fliegen ist leistbar für die Gitti von der Zwölfer-Stiege aus dem Wiener Gemeindebau in Floridsdorf, genauso wie für Cornelius aus dem noblen Stadtteil Leopoldskron in Salzburg. Doch nun sollen die Tickets wieder teurer werden. Der Kraftstoff Kerosin, der in den Düsen der Flieger verbrannt wird, soll hoch besteuert werden. Er schädigt die Umwelt, so das Argument.

Gitti soll also daheimbleiben, während Cornelius die Welt bereist. Doch warum darf sein ökologischer Fußabdruck größer sein? Weil er mehr Geld hat? Teure Flugtickets wären ein Schritt zurück in die Vergangenheit, als Fliegen den Reichen vorbehalten war. Die Demokratisierung des Reisens wäre wieder beendet. Und die Flieger würden weiterhin das giftige Kerosin in die Luft blasen.

Flugtouristen könnten die Wirtschaft ankurbeln, wie im rumänischen Boia-Mica-Tal. - © adobe
Flugtouristen könnten die Wirtschaft ankurbeln, wie im rumänischen Boia-Mica-Tal. - © adobe

Dabei liegt die Lösung auf der Hand. Wenn wir ökologisch fliegen wollen, müssen wir uns um den klimafeindlichen Kraftstoff kümmern, nicht um die Kosten der Tickets. Es geht um nichts weniger als die Entwicklung eines umweltfreundlichen Flugzeug-Antriebs.

Wie die Geschichte zeigt, ist der Mensch in schwierigen Situationen immer wieder über sich hinausgewachsen. Warum sollte es nach Erfindungen wie Feuermachen, Buchdruck, Elektrizität, Antibabypille nicht wieder eine neue Errungenschaft der Menschheit geben?

Das Versagen von
Airbus und Boeing

Die Entwicklung eines umweltfreundlichen Antriebes ist mit hohen Investitionen verbunden. Doch sie würden sich lohnen, schließlich geht es um unseren Planeten. Wer könnte es aber zustande bringen, dass wir in Zukunft im Flugzeug sitzen und kein schlechtes Gewissen mehr haben müssen?

Von den beiden größten Flugzeugherstellern der Welt, die US-amerikanische Boeing und der europäische Airbus, ist wenig zu erwarten. Sie befinden sich im ständigen Wettstreit um die Spitze, die Umweltfreundlichkeit der Flieger spielt kaum eine Rolle. Vor allem Boeing sieht sich unter Druck, nachdem der jahrzehntelange Weltmarktführer vor zwanzig Jahren von Airbus überholt wurde.

Als Dennis Muilenburg 2015 Boeing-Chef wurde, gab er auch gleich die Richtung vor: "Wir sind ein harter Wettbewerber", sagte er und setzte noch mehr auf Profit. Der Aktienkurs ging zwar durch die Decke, auf der Strecke blieben jedoch Umweltschutz und die Sicherheit der Passagiere. Nachdem Airbus mit seinem neuen Modell A320neo die Reichweite bis zu 950 Kilometer verbesserte, brachte Boeing sein neues Modell 737 schneller als geplant auf den Markt, um dagegenzuhalten. Mit fatalen Folgen: Die Software war schlecht abgesichert, zwei Flugzeuge stürzten ab. US-Präsident Donald Trump reagierte mit Strafzöllen für Airbus, damit der europäische Konkurrent nicht noch weiter davonzieht.