Bangkok/Neu-Delhi. 15 Länder aus Asien und der Pazifik-Region wollen nächstes Jahr ein umfangreiches Handelsabkommen unterschreiben. Das teilten die Regierungschefs der beteiligten Staaten am Montag in Bangkok mit. Es wäre eine der größten Handelszonen der Welt. Allerdings will Indien das Abkommen zunächst nicht mittragen. Mit Indien würde der Pakt für ein Drittel der globalen Wirtschaftsleistung und fast die Hälfte der Weltbevölkerung stehen. Indien wurde zugesagt, jederzeit beitreten zu können.

Die 15 Länder seien sich in zentralen Fragen einig, zum Beispiel dem Marktzugang für die anderen Partner, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Bei den unterzeichnenden Staaten handelt es sich um China, Japan, Südkorea, Australien, Neuseeland sowie um die zehn Asean-Staaten Indonesien, Malaysia, Thailand, die Philippinen, Vietnam, Myanmar, Brunei, Laos, Kambodscha und Singapur.

Indiens Premier Narendra Modi wurde in Medien zitiert, dass es bei Zöllen und anderen Handelsbarrieren noch Differenzen gebe. Das geplante Abkommen berücksichtige die indischen Bedenken und offenen Fragen nicht genug. Indien fürchtet, bei einer Zustimmung zu dem Abkommen von chinesischen Exporten überflutet zu werden, aber auch von billigen Agrarerzeugnissen aus Australien und Neuseeland.

Singapurs Premier Lee Hsien Loong, Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi, Laos‘ Premier Thongloun Sisoulith und Kambodschas Regierungschef Hun Sen reichen sich am Montag in Bangkok die Hand. - © APAweb/reuters
Singapurs Premier Lee Hsien Loong, Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi, Laos‘ Premier Thongloun Sisoulith und Kambodschas Regierungschef Hun Sen reichen sich am Montag in Bangkok die Hand. - © APAweb/reuters

Thailand als Gastgeber des aktuellen Asean-Treffens asiatischer Staaten teilte mit, der Vertrag werde 2020 unterschriftsreif sein - dann unter vietnamesischer Asean-Präsidentschaft.

Die vorläufige Einigung ist ein Zeichen für eine stärkere Kooperation in Handelsfragen. Seit über einem Jahr überziehen sich die USA und China mit gegenseitigen Sonderzöllen, was die Weltwirtschaft bremst und vor allem exportstarke Staaten wie Deutschland spüren. Die USA und China hatten zuletzt aber Signale der Annäherung gesendet und wollen nach Angaben noch im November eine US-Vereinbarung mit der Volksrepublik unterzeichnen.

Lücke durch Handelsstreit

Ursprünglich hatten die 16 beteiligten Staaten (inklusive Indien) den sogenannten RCEP-Vertrag noch dieses Jahr unterschreiben wollen. Doch daraus wurde wegen der Bedenken Indiens nichts. Durch den Handelskrieg zwischen den USA und China haben die Gespräche neuen Schwung bekommen, zumal US-Präsident Donald Trump kurz nach seinem Amtsantritt auch das bereits fertig ausgehandelte Abkommen für eine Transpazifische Partnerschaft (TPP) aufgekündigt hatte. Die RCEP-Teilnehmerstaaten wollen diese Lücke für sich nutzen. Vor allem für China als zweitgrößte Volkswirtschaft ist der Freihandelspakt ein großer Erfolg.