Grün, cremig, schmackhaft, dabei nahrhaft und noch immer ein wenig exotisch: Der Hunger der Europäer auf Avocados ist ungebrochen groß. Allein in den Jahren 2016 bis 2018 ist der Konsum der Frucht um 65 Prozent auf rund 650.000 Tonnen gestiegen. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 94.000 Tonnen der fettreichen Früchte importiert, damit hat sich die Einfuhrmenge innerhalb von zehn Jahren beinahe verfünffacht. Damit einhergehend ist auch der Wert der importierten Avocados stark angestiegen: von 32 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 270 Millionen Euro 2018.

Die Avocado gilt als Trend-Lebensmittel. Und das nicht nur in Europa. Auch in den USA geht der Verzehr nach einem Rückgang wieder nach oben: 2018 waren es 1,1 Millionen Tonnen. Was die Konsumenten erfreut, löst in den Anbaugebieten jedoch zunehmend Probleme aus. Weil die Avocado zum Wachsen ein warmes Klima braucht, hat sie oft schon viele tausend Kilometer zurückgelegt, wenn Verbraucher sie in europäischen Supermärkten in ihre Einkaufskörbe packen. Im vergangenen Jahr kamen die meisten nach Deutschland importierten Früchte aus Peru (28.000 Tonnen), gefolgt von Chile (16.000 Tonnen) und Spanien (12.000 Tonnen).

Avocado-Konsum in Europa förmlich explodiert

Frankreich ist die Nummer eins in Europa, was den Avocado-Verzehr betrifft. In Paris isst im Schnitt jeder Einwohner im Jahr 2,8 Kilogramm davon. Erwartet wird, dass der Absatz weiter steigt, um etwa 35 Prozent in diesem Jahr in Europa. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) stieg die Anzahl der weltweiten Avocado-Anbauflächen von 2006 bis 2016 von 381.000 auf 564.000 Hektar. Für die Anbaugebiete bringt der weltweite Avocado-Boom aber nicht nur Umsatz, sondern eben auch Umweltprobleme - unter anderem, weil für die wachsenden Anbauflächen mitunter Wälder gerodet werden. Außerdem hat die Frucht einen hohen Wasserverbrauch.

Umfangreiche Rodungen in Mexiko

Der größte Teil der weltweiten Ernte kommt aus Mexiko, wo die Avocado ursprünglich angebaut wurde. Mittlerweile prägen endlose Reihen von Avocadobäumen die Landschaft, einheitlich wie eine Armee auf Feldern. 

Auf rund 200.000 Hektar wurden im vergangenen Jahr fast zwei Millionen Tonnen Avocados angebaut. Und die Fläche wächst immer weiter. Der Biologe Arturo Chacon Torres, Gründer der Bürgervereinigung Academia Mexicana de Impacto Ambiental, erklärte, dass sich die bepflanzten Gebiete immer weiter in Wälder und Berge erstrecken. Es wird geschätzt, dass in der Region zwischen 600 und 1.000 Hektar Wald pro Jahr vernichtet werden, um die Landnutzung zu ändern.

Hinzu kommt, dass die Frucht viel Zuwendung benötigt, um richtig zu wachsen, vor allem Wasser. Angebaut werden die Früchte in vielen Regionen von kleinen Avocado-Pflanzern, einige davon arbeiten illegal. Die Behörden sperren immer wieder einige der kleinen Produzenten, die illegal Pinien fällten, um die Fläche für den Anbau der Avocados zu nutzen.

Laut einer mexikanischen Studie aus dem Jahr 2012, die von der Regierung in Auftrag gegeben wurde, hat der Anstieg der Produktion der Früchte zu einem Verlust an Artenvielfalt und zu Umweltverschmutzung und Bodenerosion geführt. Daneben schädigte er den natürlichen Wasserkreislauf und die endemischen - nur in dem Gebiet lebenden - Arten.

"Wir sind bemüht, ein Gleichgewicht zu finden, das es uns ermöglicht, die Vorteile und Einkommensquelle zu erhalten und nachhaltigere Produktionsformen zu entwickeln", sagte Ramon Paz Vega, Sprecher der Vereinigung der Avocado-Produzenten und Exporteure Mexikos (Apeam). Die Vereinigung unterhält dafür unter anderem ein Aufforstungsprogramm.

Weltweiter Hunger auf Avocado steigt weiter

Nach Schätzungen des mexikanischen Landwirtschaftsministeriums wird die weltweite Nachfrage nach Avocados von 2017 bis 2030 um fast 50 Prozent steigen. Das bedeutet einen Anstieg des weltweiten Verbrauchs von 2,84 auf 4,24 Millionen Tonnen pro Jahr.

Der Avocado-Boom ging in Mexiko auch nicht an den mächtigen Kartellen vorbei - auch die organisierte Kriminalität streckte die Finger nach dem "grünen Gold" aus. Produzenten wurden von Bandenmitgliedern bedroht und entführt. Daraufhin bildeten die Avocado-Bauern Verteidigungsgruppen und sogar die Bundespolizei intervenierte. Das Problem hat sich seitdem verringert, besteht aber immer noch.

Doch Mexiko ist mit den Problemen der gestiegenen Nachfrage nach den Früchten nicht allein. Auch in Israel boomt der Handel mit Avocados, die Nachfrage übersteigt seit Jahren das Angebot. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Zentralen Statistikbüros mehr als 110.000 Tonnen Avocado produziert und rund 65.000 Tonnen exportiert. Ein stetiger Anstieg: 2016 wurden 101.000 Tonnen produziert und 47.000 Tonnen exportiert. Avocados sind ein fester Teil der israelischen Küche - und der durchschnittliche Verbrauch liegt jährlich bei fünf Kilo pro Kopf.

Avocado verdrängt Zitrusfrüchte

Angesichts der hohen Nachfrage und großer Gewinne vergrößern immer mehr Landwirte in Israel die Avocado-Anbaugebiete. Sie verdrängten etwa die Anbaugebiete von Zitrusfrüchten, sagt Marcelo Sternberg, Professor für Pflanzenökologie von der Universität Tel Aviv. Ein mögliches Problem, das er sieht: "Avocado-Bäume brauchen sehr viel Wasser." Für ein Kilo Avocado würden rund 600 Liter Wasser verbraucht.

In Israel würden die Bäume mit aufbereitetem Abwasser gegossen, sagt Sternberg. Es bestehe die Sorge, dass schädliche Nano-Partikel aus dem Wasser in die Früchte eindringen könnten. Das Gießen mit aufbereitetem Abwasser könne dauerhaft auch dem Boden schaden, sagt Sternberg. "In der Natur gibt es nichts umsonst."

Und der Avocado-Boom hat auch Südafrika erreicht: Vor allem in den nordöstlichen Provinzen Limpopo und Mpumalanga, wo ein warmes und subtropisches Klima dominiert, ist die Anbaufläche seit der Jahrtausendwende stetig angewachsen; jedes Jahr kommen rund 1.000 Hektar neu dazu.

Südafrika produzierte 2017 rund 120.000 Tonnen Avocado pro Jahr, wie der Verband der Avocadobauern erklärt. Zehn Jahre zuvor waren es noch 74.000 Tonnen gewesen. Ohne künstliche Bewässerung wäre der Anbau auch in Südafrika nicht möglich. (apa/dpa)