Die deutsche Angst vor einer Rezession teilt sich derzeit in zwei Lager. Da gibt es das eine, das auf Deutschland eine echte Krise zukommen sieht. Dann gibt es das andere, das kalmiert und die gegenwärtige Konjunkturflaute als kurze Schwächephase abtut, bis sich die deutsche Wirtschaft wieder wachrüttelt. So richtig weiß aber wohl niemand, was die Zukunft bringt.

Kurzfristig sieht es jedenfalls mager aus. Seit Ende Oktober dürfte sich Deutschland in einer sogenannten technischen Rezession befinden. Davon spricht man, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge sinkt. Es ist eine milde Warnung vor dem, was noch kommen könnte.

Aber nicht kommen muss. Aus Sicht der Wirtschaftsweisen sei nicht von einer tiefergehenden Rezession auszugehen, die deutsche Industrie schwächle aber. Das fünfköpfige Ökonomen-Gremium begutachtet seit 1963 die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands und übergibt bis Mitte November ein Jahresgutachten an die Bundesregierung, die binnen acht Wochen dazu Stellung bezieht. Über die jüngste Einschätzung wurde Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch informiert. Das Gutachten lag der "Süddeutschen Zeitung", der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und dem "Handelsblatt" vorab vor.

Die Wirtschaftsweisen trauen der deutschen Volkswirtschaft nur ein Wachstum von 0,9 Prozent im nächsten Jahr zu. Ihre Prognose liegt knapp unter jener der deutschen Bundesregierung. Diese ging im Vorfeld mit einem Prozent für 2020 aus. Rechnet man allerdings die höhere Zahl an Arbeitstagen aus dem Ergebnis, dann bleibt aus Sicht der Experten wie heuer nur ein Wachstum von 0,5 Prozent übrig. 2018 nahm die Wirtschaftsleistung Deutschlands noch um 1,5 Prozent zu.

Die deutsche Zukunft
in fremden Händen

"Die deutsche Volkswirtschaft befindet sich im Abschwung", resümieren die Wirtschaftsweisen. Die Flaute werde sich mindestens bis ins nächste Jahr hineinziehen. Die Konjunktur erhole sich laut dem Ökonomen-Gremium wohl frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2020. Ein Konjunkturprogramm sei aus Sicht der Wirtschaftsweisen nicht notwendig. Die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank und steuerliche Entlastungen durch die Große Koalition wären Konjunkturanschub genug.

Was die Wirtschaftsweisen allerdings empfehlen, ist eine gewisse Abkehr von der "schwarzen Null", also einem ausgeglichenen Budget. Ein Festhalten daran könne bei einem stärkeren Abschwung zum Problem werden. Merkel und der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bekannten sich zuletzt immer zur Schwarzen Null. Da sei aber nicht gleichbedeutend mit einem Ende der Schuldenbremse zu verstehen. Diese schließe eine gewisse Neuverschuldung des Staates nicht aus.