Am Anfang von Ummadum stand ein Paradox: "Wir waren ständig von Autos umgeben, aber trotzdem nie mobil", erinnert sich Thomas Angerer. Der spätere Gründer von Ummadum wuchs wie Mitbegründer René Schader im oberen Drautal auf. In dieser Gegend sei "ein Auto leider kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit", so Angerer.

Ummadum ist eine Mitfahr-App, die mehr kann: Wer Ummadum nutzt, sammelt Punkte mit denen in teilnehmenden Geschäften eingekauft werden kann. Entstanden im Drautal, arbeiten die Gründer Thomas Angerer und René Schader gerade am Rollout für ganz Österreich. - © Ummadum
Ummadum ist eine Mitfahr-App, die mehr kann: Wer Ummadum nutzt, sammelt Punkte mit denen in teilnehmenden Geschäften eingekauft werden kann. Entstanden im Drautal, arbeiten die Gründer Thomas Angerer und René Schader gerade am Rollout für ganz Österreich. - © Ummadum

Aus dem Problem der Jugend wurde Ummadum: Die Plattform vermittelt Mitfahrgelegenheiten und zeigt die verfügbaren Angebote mit Bus und Bahn. Für jeden gemeinsam gefahrenen Kilometer gibt es Punkte, mit denen man weitere Fahrten oder Waren in Geschäften in der Region bezahlen kann. 50 Gemeinden in Westösterreich und zahlreiche Unternehmen machen mit. Angerer und Schader arbeiten am Rollout für ganz Österreich und sind ständig auf Achse, weil ihr Konzept auch international Anklang findet.

Die Lösung heißt nicht immer E-Auto

"Wenn wir über nachhaltige Mobilität sprechen, sind wir meist schnell bei technischen Lösungen: Autonome Fahrzeuge, Elektromobilität usw.", sagt Walter Schneider, Leiter des Geschäftsbereichs Mobilitätsinnovation der AustriaTech. "Was in den Hintergrund rückt, ist die Funktionalität, um die es geht: Man will von A nach B und vielleicht auch noch nach C."

Die AustriaTech ist die Mobilitätsagentur des Bundes und gehört zum Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT). Was man hier anstrebt, sind funktionale und nachhaltige Lösungen für die Mobilität der Zukunft, die idealerweise mit sehr viel weniger eigenen Autos auskommt.

AustriaTech ist daher an offenen und kleinteiligen Lösungen wie etwa Ummadum interessiert: "Die Projekte, die wir suchen, sollen mit anderen Elementen kombinierbar sein und sich flexibel an die unterschiedlichen Gegebenheiten anpassen", so Schneider.

Ein Ansatz der AustriaTech heißt daher "Deconstructing Regional Mobility". Der Adressat sind die Gemeinden, insbesondere die auf dem Land. "Wir suchen Ideen für die Regionen, in denen Investoren zurückhaltender sind, die aber die Alternative zum eigenen Auto am dringendsten brauchen", so Schneider. Bevorzugt werden Ideen, die aus der Region kommen und sich auch für internationale Märkte skalieren lassen.

In diesem Jahr hat man mit der ITS-Challenge erstmals eine eigene Ausschreibung im Rahmen des Staatspreises Mobilität des BMVIT geschaffen. Die drei Sieger: Ummadum, Carployee und easymobil, ein Projekt der Wiener Lokalbahnen.

"Carployee" bringt Freude auf dem Weg zur Arbeit: Gernot Panholzer, Albert Vogl-Bader, Moritz Wenko, Kambis Kohansal Vajargah haben eine Mitfahrgelegenheit für Arbeitskollegen geschaffen und zugleich eine Möglichkeit für Unternehmen, ihre Angestellten zu belohnen. Carployee ist ebenfalls ein Sieger der "ITS-Challenge". - © Carployee
"Carployee" bringt Freude auf dem Weg zur Arbeit: Gernot Panholzer, Albert Vogl-Bader, Moritz Wenko, Kambis Kohansal Vajargah haben eine Mitfahrgelegenheit für Arbeitskollegen geschaffen und zugleich eine Möglichkeit für Unternehmen, ihre Angestellten zu belohnen. Carployee ist ebenfalls ein Sieger der "ITS-Challenge". - © Carployee

Mobil, so wie man es braucht – ohne eigenes Auto

"Nachhaltige Mobilit braucht Incentives", sagt Albert Vogel-Bader, Co-Gründer von Carployee. Bei der Mitfahr-App profitieren MitarbeiterInnen, die mitfahren oder KollegInnen mitnehmen von Goodies wie freien Parkplätzen oder Zeitguthaben. - © Carployee
"Nachhaltige Mobilit braucht Incentives", sagt Albert Vogel-Bader, Co-Gründer von Carployee. Bei der Mitfahr-App profitieren MitarbeiterInnen, die mitfahren oder KollegInnen mitnehmen von Goodies wie freien Parkplätzen oder Zeitguthaben. - © Carployee

"Neun von zehn Personen fahren allein im Auto, ohne Fahrgäste. Das ist unglaublich ineffizient", sagt Albert Vogel-Bader, Co-Gründer und Geschäftsführer von Carployee. Carployee steht für "Carpooling for Employees" und vermittelt Mitfahrgelegenheiten für Arbeitskollegen. "Ziel der App ist es, so wenig Autos wie möglich mit so vielen Passagieren wie möglich auf die Straße zu bringen."

Obwohl kaum ein Jahr alt, wird Carployee bereits von mehreren Unternehmen in Österreich und seit Sommer auch in Deutschland und der Schweiz genutzt. Gründer Vogel-Bader führt den internationalen Erfolg auf das Anreizprinzip von Carployee zurück: Wer mit Carployee fährt bzw. mitfährt, bekommt von seinem Arbeitgeber zusätzliche Urlaubstage, reservierte Parkflächen, kann an Gewinnspielen teilnehmen und schließt fahrend neue Freundschaften. Die Unternehmen sparen Geld, investieren in ihr Image und stärken die Mitarbeiterbindung. "Die klimaschonende Alternative muss zusätzliche Vorteile bieten", sagt Gründer Vogel-Bader.

 

Welche Art von Mobilität wird eigentlich gebraucht?

Die Haltestelle Griesfeld ist die erste Easymobil-Station der Wiener Lokalbahnen. Hier gibt es Gratis Wlan, eine Abholbox für Einkäufe und natürlich Bahn, Rad und E-Bike. Mit Easymobil waren die Wiener Lokalbahnen auch bei der ITS-Challenge erfolgreich. - © WLB / Johannes Zinner
Die Haltestelle Griesfeld ist die erste Easymobil-Station der Wiener Lokalbahnen. Hier gibt es Gratis Wlan, eine Abholbox für Einkäufe und natürlich Bahn, Rad und E-Bike. Mit Easymobil waren die Wiener Lokalbahnen auch bei der ITS-Challenge erfolgreich. - © WLB / Johannes Zinner

Im niederösterreichischen Griesfeld steht die erste easymobil-Station der Wiener Lokalbahnen. Wer unterwegs ist, kann dort nicht nur die Badner Bahn nutzen, sondern auch mit Carsharing auf E-Auto oder E-Bike umsteigen. Es gibt überdachte Radabstellplätze und mietbare Fahrradboxen von der Gemeinde. An einer Servicestation finden Radfahrer Luftpumpen und Werkzeug für kleinere Reparaturen. Wer Einkäufe hat, lässt sie zur Supermarkt-Abholbox liefern und nimmt sie auf dem Nachhauseweg mit. Wlan gibt es gratis.

Auf der ITS World in Singapur: Peter Hollos von den Wiener Lokalbahnen: Mit "easymobil" haben die Wiener Lokalbahnen einen alternativen Verkehrsknotenpunkt entwickelt. - © Wiener Lokalbahnen
Auf der ITS World in Singapur: Peter Hollos von den Wiener Lokalbahnen. Mit "easymobil" haben die Wiener Lokalbahnen einen alternativen Verkehrsknotenpunkt entwickelt. - © Wiener Lokalbahnen

"Wir glauben daran, dass eine nachhaltige und klimaschonende Mobilität nur dann möglich ist, wenn der Kunde durch das reichhaltige, einfach zugängliche und kombinierbare Angebot einen persönlichen Mehrwert erzielen kann. Ist dies nicht der Fall, wird weiterhin auf das Auto zurückgegriffen, weil es die vermeintlich beste Flexibilität ermöglicht. Egal ob wir im Stau stecken oder Parkplatz suchen", sagt Peter Hollos, Leiter der Abteilung Organisation & Innovation der Wiener
Lokalbahnen.

Mit Ummadum und Carployee gehören die Lokalbahnen zu den drei Gewinnern der ITS-Challenge und konnten ihre Konzepte im Oktober vor den Besuchern der weltgrößten Messe für smarte Mobilität, der ITS World in Singapur, präsentieren. "Das Interesse war enorm", berichtet Walter Schneider, der am österreichischen Gemeinschaftsstand vor Ort war. "Wir konnten zeigen, dass Technik allein keine Antwort ist, wenn es darum geht, bestehende Verkehrsprobleme zu lösen. Der Fokus auf die Akzeptanz durch die Nutzer ermöglicht Innovationen." Punkten konnte AustriaTech in Singapur insbesondere mit einem analogen Context-Mapping-Spiel, "ITS Atoms", das hilft, Verkehrsbedürfnisse und mögliche Lösungen zu visualisieren. Entstanden sind viele Ideen: "Ich bin zuversichtlich, dass neue Ansätze realisierbar sind", so das Resümee von Schneider.