BIP in 25 Jahren vervierfacht

Trotz all dieser Probleme darf man allerdings nicht vergessen, dass es Lukaschenko gelang, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes in den letzten 25 Jahren zu vervierfachen. Damit wuchs das BIP in Belarus ähnlich stark wie das Polens oder Litauens. Und das obwohl die belarussische Wirtschaftspolitik keineswegs immer rasend erfolgreich war. So wie beim Engagement des US-Autobauers Ford in den 1990er Jahren. Dem Unternehmen wurden ebenfalls Steuervergünstigungen in Aussicht gestellt, Ford entschloss sich, 20 Millionen US-Dollar in den Bau einer Fabrik zu investieren. Doch dann tauchten immer neue Schwierigkeiten mit der sowjetisch geprägten Bürokratie auf, die Inbetriebnahme verzögerte sich, auch die Steuervergünstigungen wurden wieder infrage gestellt. Im Jahr 2000 verlegte Ford die Fabrik dann nach Russland. Mittlerweile hat Weißrussland offenbar dazugelernt. "Wir haben als Investoren in Belarus auf staatlicher Ebene sehr schnelle Entscheidungsprozesse und sehr klare, einfache Entscheidungswege vorgefunden", berichtet der Salzburger David Brenner der "Wiener Zeitung". Er ist Geschäftsführer der Firma Kronospan, die unter anderem Spanplatten und Laminatböden herstellt und in Weißrussland seit 2012 zwei große Werke errichtet hat. "Wir haben stärker investiert als ursprünglich geplant und unsere Werke sogar weiter ausgebaut", sagt Brenner. "Der Grund dafür war, dass die Zusagen, die uns gegeben wurden, immer gehalten haben. Deshalb haben wir auch mehr Jobs geschaffen als erwartet. Über 1000 Beschäftigte arbeiten mittlerweile bei uns", erzählt Brenner. Von seinem weißrussischen Personal ist er ebenfalls angetan: "Wir haben ein wirklich sehr gut ausgebildetes, mehrsprachiges Top-Management, damit haben wir überhaupt keine Probleme."

Dass die Politik der Sonderwirtschaftszonen Früchte trägt, ist nicht erst seit dem Great Stone Park zu spüren, der noch weitgehend ein Zukunftsprojekt ist. Sein Vorbild ist der Hi-Tech-Park Belarus, der 2005 ins Leben gerufen wurde. Mitte der Nullerjahre spätestens dürfte Lukaschenko klar geworden sein, dass ein gewisses Maß an Öffnung und Liberalisierung für Weißrussland überlebenswichtig ist, dass das alte Sowjetmodell speziell im neuen High-Tech-Sektor nicht mehr anwendbar ist. Der Hi-Tech-Park, der von den jungen, technokratischen Pragmatikern im Umkreis des Präsidenten aufgebaut wurde, gilt als Vorzeigemodell.

Und zwar auch deshalb, weil, wie so manche Weißrussen witzeln, der Staat im Gegensatz zu den ererbten Staatsbetrieben im IT-Sektor nicht eingreift: Die boomende Branche - in Belarus wurde etwa das Computerspiel "World of Tanks" entwickelt - ist in privaten Händen. "Das ganze Wirtschaftswachstum des Landes verdankt sich mittlerweile dem IT-Sektor", sagt Shraibman. Und Dobrinsky ergänzt: "Der Export von IT-Dienstleistungen aus Belarus entspricht mittlerweile dem, was das Land durch Lebensmittelexporte verdient. Und Lebensmittel waren immer traditionelle weißrussische Exportgüter." Schon 2017 haben die Exporte aus dem Park die Milliarden-Dollar-Grenze überschritten. Das "Wall Street Journal" sprach schon von Osteuropas Silicon Valley.