Sie ist das Flaggschiff, wenn es um saubere Energieerzeugung geht: die Windkraft. Weltweit verfügbar, niedrige Kosten, hoher technischer Entwicklungsstand. Doch nun stockt der Ausbau in Deutschland, ausgerechnet in jenem Land, wo vor 20 Jahren alles begann.

Mit der Verabschiedung des Stromeinspeisegesetzes am 7. Dezember 1990 setzte der Deutsche Bundestag neue Maßstäbe. Es wurde erstmals die Einspeisung von erneuerbaren Energien in das öffentliche Netz verbindlich geregelt. Die Windkraft war geboren, das Gesetz wurde von vielen anderen Ländern übernommen.

Deutschland sollte jahrzehntelang den Ton angeben, was die Stromerzeugung aus Windkraft betraf. Noch 2017 wurden 5300 Megawatt Windkraftleistung in der Bundesrepublik neu installiert, die Hälfte des gesamten Anteils in Europa. Zwei Jahre später ist der Ausbau um 81 Prozent gefallen. Für das Jahr 2019 werden maximal 1000 Megawatt prognostiziert.

"Der Markt ist regelrecht eingebrochen", sagt Stefan Gsänger, Generalsekretär des weltweiten Windenergieverbandes WWEA. "Das ist eine Katastrophe für den gesamten europäischen Markt."

Der Grund dafür liegt in der Änderung des Fördersystems vor zwei Jahren. Seit Mai 2017 werden in Deutschland die Fördermittel für Windkraft über Ausschreibungen vergeben, so verlangt es die EU-Kommission. Seither sind die Zuschlagspreise angestiegen, während die Leistung abnahm.

Das hat weitreichende Konsequenzen: Seit 2017 gingen 35.000 Arbeitsplatze verloren. Senvion, ein großer Windradhersteller, ist in Konkurs, vor kurzem kündigte auch der größte deutsche Hersteller Enercon an, 3000 Mitarbeiter zu entlassen. Gsänger kritisiert: "Nach zwei Jahren desaströsen Erfahrungen in Deutschland und weiteren negativen internationalen Beispielen muss mittlerweile jedem klar sein, dass Ausschreibungen den Windenergieausbau verhindern, anstatt ihn zu fördern."

Kaum noch Bürgerinitiativen

Das Aufstreben von Windenergie ist stark mit Bürgerinitiativen verbunden. Menschen, die sich zusammenschlossen, um gemeinsam saubere Energie herzustellen. Auch in Österreich gibt es dutzende solcher Initiativen, wie etwa die Öko Energie Wolkersdorf aus Niederösterreich.

Der heute mittelständische Betrieb begann mit einem Zusammenschluss von Privatleuten aus der Gegend. Sie konnten schnell die Zustimmung der Bevölkerung gewinnen, waren vor Ort, waren bekannt. "Sie waren regional verwurzelt, deswegen hat es funktioniert", sagt Martin Jaksch-Fliegenschnee von der IGWindkraft.

In Deutschland gibt es kaum noch Bürgerinitiativen. Mit dem Ausschreibungssystem ist es für sie schwieriger geworden. "Die Genehmigung für den Bau eines Windrads dauert drei bis fünf Jahre. Bis dahin weiß man aber nicht, wie viel von der öffentlichen Hand gefördert wird", erklärt er. Durch die Unsicherheit steigen auch die Kreditraten. Zuvor gab es fixe Einspeisetarife, man hatte daher Planungssicherheit, wie viel Zuschuss am Ende gewährt wird.

Statt der Bürgerinitiativen sind es nun Konzerne, die das Rennen machen. Jedoch fehlt ihnen das Vertrauen der Bürger vor Ort. Das Ergebnis: weniger Windräder.

In Österreich sind die Einspeisetarife bis zum Jahr 2022 gesetzlich verankert. Wie es danach weitergeht, ist fraglich. Geht es nach der EU-Kommission, sollte auch hierzulande das Ausschreibungssystem implementiert werden.