Die derzeit geplanten Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen werden bei weitem nicht ausreichen, um die im Pariser Klimaschutzabkommen festgelegten Ziele zu erreichen. Zu diesem Schluss kommt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem am Mittwoch veröffentlichten "World Energy Outlook". Im Gegenteil: Der Energieverbrauch und die Treibhausgas-Emissionen dürften sogar deutlich zunehmen.

Der "World Energy Outlook" sei keine Prognose, sondern entwerfe drei mögliche Szenarien, die abhängig von der umgesetzten Energie- und Klimapolitik unterschiedliche Entwicklungspfade in den nächsten Jahrzehnten beschreiben, sagen die IEA-Experten. Dabei wird ein Anstieg der Weltbevölkerung auf knapp über 9 Milliarden Menschen bis 2040 angenommen und ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent pro Jahr. Allein in Afrika dürfte die städtische Bevölkerung um mehr als eine halbe Milliarde Menschen anwachsen und Afrikas Ölverbrauch würde stärker steigen als jener Chinas.

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In ihrem "Current Policies Scenario" zeigt die IEA-Studie auf, was passiert, wenn die Welt so weitermacht wie bisher: Der Energiebedarf steigt dann jährlich um 1,3 Prozent, das bedeutet bis 2040 eine Zunahme um rund 30 Prozent. Gleichzeitig würden auch die energiebezogenen Emissionen ungebremst zunehmen.

Das "Stated Policies Scenario" geht hingegen davon aus, dass die bisher angekündigten Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs umgesetzt werden und beschreibt die Auswirkungen dieser Maßnahmen: In diesem Szenario würde der Energieverbrauch bis 2040 um ein Viertel zunehmen, also um etwa 1 Prozent pro Jahr. Mehr als die Hälfte dieses zusätzlichen Energiebedarfs könnte durch erneuerbare Energien wie Photovoltaik gedeckt werden, ein weiteres Drittel durch Erdgas. Die Ölnachfrage würde in den 2030-er Jahren abflachen und der Kohleverbrauch sogar zurückgehen.

Energieverbrauch müsste gedrosselt werden

Aber auch im Jahr 2040 wären noch immer hunderte Millionen Menschen ohne Stromversorgung, die vorzeitigen Todesfälle infolge von Luftverschmutzung befänden sich auf dem heutigen Niveau und die CO2-Emissionen würden weiter zunehmen. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien reiche nicht aus, um die Zunahme der Weltbevölkerung und das Wachstum der Weltwirtschaft auszugleichen.

Die Experten der IEA gehen davon aus, dass in diesem Szenario die Öl- und Gasproduktion der USA bis 2025 jene Russlands überholen würde. Bis 2030 würden die USA 85 Prozent des zusätzlichen Ölbedarfs abdecken und 30 Prozent des zusätzlichen Gasbedarfs. Gleichzeitig würde der Anteil der Opec und Russlands an der gesamten Ölproduktion von 55 Prozent Mitte der 2000er Jahre auf 47 Prozent im Jahr 2030 sinken. Laut IEA wird der Nahe Osten auch 2040 noch der wichtigste Öllieferant für die Weltmärkte sein und Asien der größte Abnehmer mit einem Anteil von 80 Prozent, wobei sich der Importbedarf Indiens verdoppeln dürfte.

Was nötig wäre, um die im Pariser Abkommen vorgesehene Eindämmung des globalen Temperaturanstiegs "deutlich unter 2 Grad Celsisus" zu erreichen, wird im "Sustainable Development Scenario" beschrieben. Dafür müsste vor allem die Energieeffizienz so weit verbessert werden, dass der Energieverbrauch im Jahr 2040 geringer wäre als heute. Der Verbrauch von Erdgas würde in diesem Szenario bis 2030 steigen, danach aber wieder zurückgehen, gleichzeitig müsste der Anteil der Erneuerbaren Energiequellen steigen und der Verbrauch von Kohle drastisch reduziert werden. Der Ölverbrauch müsste im Jahr 2040 mit 65 Millionen Fass pro Tag wieder auf das Niveau der früheren 1990er Jahre sinken.

"Der diesjährige World Energy Outlook zeigt ganz klar, dass es keine einzelne oder einfache Lösung gibt um das globale Energiesystem zu transformieren", sagte IEA-Chef Fatih Birol. Viele Energieträger müssten in allen Wirtschaftssektoren zusammenspielen, und die Verantwortung dafür liege vor allem bei den politischen Entscheidungsträgern.

Das "Sustainable Development Scenario" geht davon aus, dass die CO2-Nettoemissionen bis 2070 auf null reduziert werden könnten. Die Chance, dass der globale Temperaturanstieg dann mit 1,8 Grad Celsius begrenzt werden kann, wird auf 66 Prozent geschätzt. Die Wahrscheinlichkeit einer Stabilisierung bei plus 1,65 Grad wird mit 50 Prozent angegeben. (apa/kle)