Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist laut ihrem Vize-Chef Luis de Guindos mittlerweile mit wachsenden Nebenwirkungen verbunden. "Wir sind uns dessen voll bewusst, dass unsere geldpolitische Ausrichtung, unsere Geldpolitik, begonnen hat, Nebeneffekte zu haben. Und die Nebeneffekte nehmen zu", räumte de Guindos am Montag auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt ein.

Das aktuelle Konjunkturumfeld sei zudem für die Bankenbranche herausfordernd. Nach Einschätzung des Spaniers wird die jüngste Eintrübung der Wachstumsaussichten im Euroraum und die wahrscheinlich noch längere Zeit der tiefen Zinsen die Gewinnaussichten der Kreditinstitute weiter drücken.

In Deutschland, aber auch in Österreich klagen die Banken schon seit längerem, dass die Minizinsen im Währungsraum an ihren Erträgen nagen. Die EZB hält ihren Leitzins bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem müssen die Institute Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Der sogenannte Einlagensatz liegt aktuell bei minus 0,5 Prozent. Allerdings ist mittlerweile ein Teil ihrer Einlagen bei der EZB von den Strafzinsen ausgenommen. Bisher sind die Währungshüter der Auffassung, dass die Vorteile ihrer sehr lockeren Geldpolitik noch größer sind als deren schädliche Nebenwirkungen.

EZB-Chefökonom: Geldpolitisches Pulver noch nicht verschossen

Indes hat die EZB aus Sicht ihres Chefvolkswirts Philip Lane ihr geldpolitisches Pulver noch nicht verschossen. "Lassen Sie mich betonen, wir denken nicht, dass wir schon an einer Grenze angelangt sind", sagte Lane am Montag auf einer Veranstaltung in Paris.

Allerdings sollte auch die Politik ihren Beitrag leisten, damit die Frage nach den Spielräumen der Notenbank weniger relevant werde, so der EZB-Chefökonom. Die neue EZB-Chefin Christine Lagarde hatte erst vor einigen Wochen Euro-Länder mit Haushaltsspielräumen wie Deutschland und die Niederlande dazu aufgerufen, mehr gegen die Konjunkturschwäche zu tun.

EZB-Vize: "Es gibt zu viele Banken"

De Guindos warnte am Montag auch vor einem schwierigen Umfeld wegen eines Überangebots in der Finanzbranche im Euroraum. "Es gibt zu viele Banken", sagte der EZB-Vize. Auch wiesen so manche Institute nur einen niedrigen Börsenwert auf, weswegen sie starkem Wettbewerbsdruck ausgesetzt seien. Dieser komme auch von außerhalb der Branche, etwa von neuen Fintech-Unternehmen. (apa/kle)