Der deutsche Volkswagen-Konzern senkt angesichts der sich eintrübenden Weltkonjunktur und der hohen Investitionen in die Elektromobilität seine mittelfristige Wachstumsprognose. Das Unternehmen bekräftigte am Montag in einer Telefonkonferenz mit Konzernchef Herbert Diess und Finanzvorstand Frank Witter zwar die Renditeziele für die nächsten Jahre, es muss sich dafür aber stärker anstrengen.

VW achtet nach dem Dieseldebakel mit manipulierter Abgassoftware, das bis dato mehr als 30 Milliarden Euro an Kosten verursacht hat, vor allem aufs Kostensparen und die Vermeidung unnötiger Investitionen. Den Absatz zu pushen, stehe auf der Prioritätenliste nicht mehr ganz oben, sagte Witter. VW plant jedenfalls weitere Einsparungen und will den Absatz an Stadtgeländewagen steigern, mit denen sich mehr verdienen lässt.

Diess tritt wegen der ab kommendem Jahr strengeren CO2-Abgasregeln in der EU mit der Elektro-Offensive die Flucht nach vorn an und will VW damit auch ein grüneres Image verleihen. Für beide Jahre sei man zuversichtlich, die CO2-Ziele einzuhalten, sagte er. 2020 sei es nötig, dafür rund 4 Prozent der Autos als Elektroautos zu verkaufen, im Jahr danach wolle VW den Anteil auf 8 Prozent verdoppeln.

Die Prognose für den mittelfristigen Umsatzanstieg senkte Volkswagen für diesen Zeitraum auf 20 Prozent von zuvor mehr als 25 Prozent im Vergleich zu 2016 (217,3 Milliarden Euro). Die VW-Aktien verloren daraufhin mehr als drei Prozent an Wert, obwohl Analysten eine Senkung der mittelfristigen Ziele erwartet hatten. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs jedoch um 30 Prozent erhöht. Das sei mehr als die Branchenkonkurrenz der größten europäischen Autobauer und Zulieferer im Durchschnitt.

Um die nötigen Milliarden für die neuen Antriebe und neue Technik freizuspielen, muss VW an vielen Ecken und Enden knapp kalkulieren und will unter anderem Stellen abbauen.

Konzern dämpft Erwartungen

Ausgehend vom geringeren Umsatzwachstum wird im kommenden Jahr aber nun auch weniger Gewinn bei Volkswagen übrigbleiben. Bei der mittelfristigen Wachstumsprognose dämpft Volkswagen die Erwartungen. Bis 2020 soll der Betriebsgewinn vor Sondereffekten im Vergleich zu 2016 (14,6 Milliarden Euro) um 25 Prozent zulegen. Bisher war der Konzern von einem Zuwachs um mehr als 30 Prozent ausgegangen. Der mittelfristigen Planung zufolge soll das Ziel für die operative Rendite vor Sondereinflüssen für das laufende und das kommende Jahr bei 6,5 bis 7,5 Prozent bleiben. Für 2025 prognostiziert der Konzern eine Ebit-Marge unverändert zwischen sieben und acht Prozent.

Dennoch bleibt das Management zuversichtlich, dass Volkswagen den Wechsel in die E-Mobilität ohne Blessuren überstehen kann. Der Konzern erweise sich in einem zunehmend schwierigeren konjunkturellen Umfeld als "unverändert sehr robust", sagte Witter. Allerdings sei eine konsequente Kostendisziplin nötig, um die Ziele nachhaltig zu erreichen.

Dazu sieht sich VW in der Lage, weil der Bau von Batterie-Autos dank des Elektrobaukasten-Systems MEB deutlich billiger ist als der herkömmlicher Wagen. Konzernchef Diess erläuterte, der neue ID.3 werde 40 Prozent billiger zu bauen sein als die Elektroversion des VW Golf. Volkswagen will binnen zehn Jahren bis zu 75 reine E-Autos an den Start bringen und plant zudem etwa 60 Hybridfahrzeuge, die einen herkömmlichen Verbrenner mit einem Batterieantrieb kombinieren.

Der Aufsichtsrat hatte am Freitag für die kommenden fünf Jahre Investitionen von knapp 60 Milliarden Euro in klimaschonende Antriebe und die Digitalisierung beschlossen. Das sind nach Unternehmensangaben etwas mehr als 40 Prozent der Gesamtinvestitionen, die damit für den Zeitraum 2020 bis 2024 rechnerisch bei 150 Milliarden Euro liegen. Rund 33 Milliarden Euro sind alleine für die Elektromobilität vorgesehen. (reuters/dpa/kle)