Gewählte Konzern-Chefs und Firmen, die als partizipative Genossenschaften organisiert sind. Die zentrale Forderung der Philosophin Lisa Herzog ist klar: Wenn Wirtschaft immer mehr in die demokratischen Systeme hineinwandert, ja sie vielleicht sogar unterwandert, so muss im Gegenzug das System Wirtschaft mit demokratischem Rüstzeug ausgestattet sein. Für ihre auch in Buchform vorliegenden Überlegungen dazu, wieso wir lieber "Die Rettung der Arbeit" statt deren Ende feiern sollten, wurde die 35-jährige Professorin diesen Herbst bereits mit zwei hochdotierten Philosophie-Preisen ausgezeichnet. Am Rande des Philsophicum Lech konkretisierte Lisa Herzog ihre Ideen und sprach mit der "Wiener Zeitung" über geteilte Macht, den neuen Kampf um alte Arbeitsrechte und das Comeback einer praktisch orientierten Philosophie.

"Wiener Zeitung": Warum setzen Sie sich für die Rettung der Arbeit ein, anstatt darüber nachzudenken, was man nach ihrem Ende machen könnte?

Lisa Herzog: Ziel dahinter ist es, gute Arbeit in Zukunft für alle Mitglieder der Gesellschaft verfügbar zu machen. Erst die Lohnarbeit abzuschaffen und dann ein alternatives Szenario sinnvoller Tätigkeiten zu schaffen - diesen Weg sehe ich nicht. Menschen würden auch nach dem Ende der Lohnarbeit weiter arbeiten, wenn auch in anderen Formen. Aber das ist sehr weit entfernt von dem, was wir heute kennen. Daher ist es naheliegend, von hier und heute aus mit dieser Transformation zu beginnen. Mein Ansatz ist daher: Lasst uns das, was heute als Lohnarbeit organisiert ist, besser, fairer und menschlicher gestalten.

Lisa Herzog, 1983 geboren, hat Philosophie und Volkswirtschaftslehre studiert und ist Professorin für Politische Philosophie in Groningen. Ihr jüngstes Buch "Die Rettung der Arbeit" (Hanser) wurde mit dem Tractatus-Preis des Philosophicum Lech und dem Deutschen Preis für Philosophie und Sozialethik ausgezeichnet. - © Paula Winkler
Lisa Herzog, 1983 geboren, hat Philosophie und Volkswirtschaftslehre studiert und ist Professorin für Politische Philosophie in Groningen. Ihr jüngstes Buch "Die Rettung der Arbeit" (Hanser) wurde mit dem Tractatus-Preis des Philosophicum Lech und dem Deutschen Preis für Philosophie und Sozialethik ausgezeichnet. - © Paula Winkler

Geld zu verdienen oder sich selbst zu verwirklichen, sehen Sie dabei nicht als zentrale Motivation von Arbeit. Was dann?

Faire Bezahlung wird immer Thema bleiben. Doch Menschen arbeiten auch, weil sie Sinn darin empfinden und in sozialen Zusammenhängen mit und für andere arbeiten wollen. Wenn Arbeit menschlich organisiert wird, lassen sich darin sehr positive Formen von Gemeinschaft erleben. Dieser soziale Aspekt scheint mir zentral. Er wurde in den vergangenen Jahrzehnten oft vernachlässigt, das hat sich in der Praxis auch bemerkbar gemacht.

Positionieren Sie sich aufgrund dieses sozialen Faktors auch gegen das bedingungslose Grundeinkommen?

Es könnte Teil eines Gesamtpaketes sein. Allein ist es nicht hinreichend. Den Leuten zu sagen: "Hier ist Geld, ihr könnt aus der Arbeitswelt aussteigen!" - damit haben sie noch nicht die Möglichkeit, die Arbeitswelt mitzugestalten, sich aktiv als Teil einer sozialen Gemeinschaft zu erleben. Ein mögliches Grundeinkommen für alle müsste also jedenfalls von anderen Maßnahmen in der Arbeitswelt begleitet werden.