Die Weltwirtschaft bleibt nach der jüngsten Prognose der OECD auch in den beiden kommenden Jahren schwach. Das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte sowohl 2020 als auch 2021 um drei Prozent zulegen, sagte die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) am Donnerstag voraus. Im zu Ende gehenden Jahr dürfte es sogar nur zu 2,9 Prozent reichen.

Für Deutschland geht die OECD für heuer von einem Wachstum von 0,6 Prozent und für 2020 nur noch von plus 0,4 Prozent aus. Für Österreich sehen die Schätzungen deutlich freundlicher aus, obwohl die Vorhersage für 2020 reduziert wurde. Dann soll das Wirtschaftswachstum nur noch 1,3 Prozent betragen. Bei ihrer Prognose im Mai hatte die OECD noch ein Wachstum von 1,6 Prozent für 2020 erwartet.

Die weltweiten Wachstumsraten seien die schwächsten Wachstumsraten seit der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt, so die OECD. "Die globalen Aussichten sind instabil, und es gibt zunehmend Anzeichen dafür, dass sich der Konjunkturabschwung verfestigt", warnen die Experten.

Die OECD fordert die Regierungen deshalb dazu auf, entschlossener zu handeln. "Die größte Sorge ist, dass sich die Aussichten kontinuierlich weiter verschlechtern - nicht so sehr aufgrund etwaiger Konjunkturschocks, sondern aufgrund nicht bewältigter struktureller Herausforderungen", warnte OECD-Chefökonomin Laurence Boone. Klimawandel und Digitalisierung führten zu kontinuierlichen strukturellen Veränderungen in den Volkswirtschaften.

Zudem zeichne sich in Handel und Geopolitik eine Abkehr von der multilateralen Ordnung der 1990er Jahre ab. "Es wäre ein politischer Fehler, diese Veränderungen als vorübergehende Faktoren zu betrachten, denen mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen begegnet werden könnte: Sie sind struktureller Art", betonte die Chefökonomin. "Solange die Politik keine klare Richtung in diesen vier Bereichen vorgibt, wird die Unsicherheit hoch bleiben und so die Wachstumsaussichten beeinträchtigen."

Fehlende klare Vorgaben seitens der Politik für den Klimaschutz belasten der OECD zufolge die Investitionstätigkeit. Auch hier ruft sie die Politik zum Handeln auf. "Die Zahl extremer Wetterereignisse steigt, und ohne ausreichende politische Maßnahmen könnte ihre Häufigkeit weiter zunehmen", sagte Boone. "Solche Wetterereignisse können die Wirtschaftstätigkeit auf kurze Sicht erheblich beeinträchtigen und Langzeitschäden an Sach- und Naturkapital verursachen." (apa/Reuters)