Sie jagten ihn durch Salz- und Süßwasser, trieben ihn durch den Großstadtdschungel, über Sümpfe und durch die Wüste, und zwischendurch ließen sie ihn unzählige Male abheben und wieder landen. Aber egal, was sie ihm auch antaten: Das Ding schien einfach unzerstörbar, sechs Jahre lang. Jeder Bursche und jedes Mädchen, der oder die in den Achtzigerjahren auf der Schokoladenseite des Eisernen Vorhangs aufwuchs, kannte das Gefährt, das ebenso unverwüstlich zu sein schien wie sein Besitzer. Letzterer war fiktiv und hörte auf den Namen Colt Seavers. Ersteres war echt und trug den eher sperrigen Namen GMC K-2500 Sierra Grande Wideside.

 

Als im Jahr 1981 im US-Fernsehen die erste Folge von "The Fall Guy" mit Lee Majors in der Hauptrolle über die Bildschirme flackerte, hatten seine Produzenten noch keine Ahnung, dass sich die Serie binnen kurzer Zeit zu einem der größten Hollywood-Exportschlager des Jahrzehnts auswachsen würde. Sogar Spielzeughersteller Lego ließ seinerzeit ein "Fall Guy"-Set produzieren, das aus zwei Figuren und dem Auto bestand. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehörte "Ein Colt für alle Fälle", wie der mehr oder weniger sanft eingedeutschte Titel der Show lautete, seinerzeit zum Standardrepertoire des Frühabendprogramms.

Der GMC K-2500 Sierra Grande Wideside wurde durch die Fernsehserie "Ein Colt für alle Fälle"in den Achtzigerjahren zum Kult-Gefährt. - © Nicole Kubelka / Action Press /
Der GMC K-2500 Sierra Grande Wideside wurde durch die Fernsehserie "Ein Colt für alle Fälle"in den Achtzigerjahren zum Kult-Gefährt. - © Nicole Kubelka / Action Press /

Ikone der amerikanischen Coolness

Neben dem von Majors gespielten Protagonisten, der in seinem Hauptberuf als Stuntman nicht genug Geld verdient und sich deshalb regelmäßig als Kopfgeldjäger verdingen muss, seiner Kollegin Jody Banks (Heather Thomas) und seinem Cousin und Zögling Howie Munson (Douglas Barr) spielte über die gesamte Laufzeit der Serie hinweg vor allem ein Accessoire eine entscheidende Rolle: der unverkennbare, braun-ockerfarbene GMC Pickup Truck, der dem Trio über ein halbes Jahrzehnt lang - die letzte Klappe fiel im Mai 1986 - scheinbar treue Dienste leistete. Die Tatsache, dass die "Fall Guy"-Macher in Wirklichkeit mindestens ein Auto pro Drehwoche zertrümmerten, bis sie vom Hersteller eigens für ihre speziellen Zwecke modifizierte Modelle zur Verfügung gestellt bekamen, konnte dem Image des Kleinlasters nichts anhaben. Dank Colt Seaver’s Strahlkraft wurde er in den Achtzigern zur globalen Ikone, zum Inbegriff amerikanischer Coolness und Robustheit; und verstärkte eine massive Trendwende unter den Konsumenten, die damals bereits im Gang war und deren Auswirkungen heute quasi als selbstverständlich angesehen werden.

Das Augenscheinlichste: dass von jenen Leuten, die heutzutage weltweit hinter dem Steuer von Pickup Trucks sitzen, nur mehr eine verschwindende Minderheit nämliche braucht, um Dinge über unwegsames Gelände von A nach B zu transportieren - was ja an und für sich der ureigentliche Sinn und Zweck des Autos ist. Weil das auch der Mann weiß, dem das Image eines der innovativsten Köpfe des 21. Jahrhunderts anhängt und der es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, Elektroautos in den USA zum neuen Standard zu machen, war es so gesehen nur eine Frage der Zeit, bis seine Firma ins Geschäft mit den Brummern einsteigen würde. Am Donnerstagabend war es soweit.