Der Arbeitsmarkt in Deutschland trotzt der Konjunkturflaute: Mit 2,180 Millionen Menschen lag die Zahl der Arbeitslosen im November so niedrig wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Im November waren 24.000 Menschen weniger arbeitslos als im Oktober und 6000 weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Freitag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,8 Prozent.

Die Abnahme war diesmal zu einem guten Teil darauf zurückzuführen, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen sank. "Dennoch sind immer noch knapp 700.000 Menschen langzeitarbeitslos, weswegen wir nicht nachlassen dürfen, diese Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren", sagte der deutsche Arbeitsminister Hubertus Heil in Berlin.

"Die aktuelle konjunkturelle Schwäche ist am Arbeitsmarkt weiterhin spürbar", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Detlef Scheele trotz der erfreulichen Zahlen. "Alles in allem zeigt er sich aber robust." Er sprach von deutlichen regionalen Unterschieden. In stark industrialisierten Gegenden, vor allem in Süddeutschland, zeige sich inzwischen die Schwäche in der Metall- und Elektroindustrie auch am Arbeitsmarkt.

Klar steigend ist deutschlandweit  auch die Tendenz zur Kurzarbeit. Waren im August noch 50.000 Menschen in Kurzarbeit, stieg die Zahl bis Ende September auf 59.000. Zusätzlich sind für weitere 49.000 Menschen Anträge gestellt worden. Im September 2018 lag die Zahl der Kurzarbeiter noch bei 34.000. Auch wenn Kurzarbeit für die Betroffenen unschön sei: "Wir finden die Zahlen unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten nach wie vor unauffällig", sagte Scheele. Zur Zeit der Euro-Krise um das Jahr 2013 waren teils mehr als 100.000 Menschen in Kurzarbeit.

Auch bei den offenen Stellen schlage sich die Konjunkturproblematik in der Arbeitsmarktstatistik nieder. Mit 736.000 gemeldeten Stellen ist die Nachfrage nach Arbeitskräften weiterhin hoch. Sie liegt aber um 71.000 Plätze unter dem Niveau des Vorjahres.

Im Oktober war die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum September noch um 30.000 auf 2,204 Millionen gesunken. Experten zufolge ist die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt trotz schwacher Konjunktur vor allem auf den Konsum zurückzuführen. Die weiterhin positive Konsumlaune gleiche die Schwächen etwa in der Industrie aus. Vor allem die Autoindustrie als Leitbranche in Deutschland leidet derzeit unter schwierigen Weltmarktbedingungen.

Saisonbereinigt lag die Zahl der Arbeitslosen im November um 16.000 unter dem Vormonat. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hatte in seinem jüngsten Arbeitsmarktbarometer für die nächsten drei Monate wieder eine leichte Besserung gesehen. (apa/dpa)