Der Vater Informatikprofessor, die Mutter Datenbankentwicklerin, das Haus in Lansing im US-Bundesstaat Michigan voll mit Computern, Technik- und Wissenschaftsmagazinen: Das familiäre Umfeld, in das Larry Page 1973 hineingeboren wurde, förderte seine Technikbegeisterung von klein auf. Schon als 6-Jähriger baute der spätere Google-Gründer Computer auseinander und wieder zusammen.

Ein Schlüsselerlebnis hatte Page als 12-Jähriger bei der Lektüre einer Biografie über den genialen Erfinder Nikola Tesla, der verarmt und einsam starb, ohne seine Visionen verwirklicht zu haben. Das Ende des Buches brachte den schüchternen Technikfreak Page zum Weinen - und zur Erkenntnis, dass man Erfindungen auch gut vermarkten können muss.

Seit 1998 kann man "googeln"

Als Student an der Elite-Universität Stanford begann Page Mitte der 90er-Jahre gemeinsam mit seinem Freund, dem in Moskau geborenen und als Kind in die USA gekommenen Informatiker Sergey Brin, ein Forschungsprojekt, das Webseiten nach ihrer Relevanz auflistet. Wer Informationen suchte, sollte auf einen Klick nach Wichtigkeit geordnete Links erhalten. Damit ließ sich auch Geld verdienen: mit kleinen Anzeigen im Umfeld der Treffer, die zu dem passen, wonach der Nutzer sucht. 1998 ließen Page und Brin eine Firma namens Google für ihre gleichnamige Suchmaschine ins Handelsregister eintragen. Was folgte, ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte, die Page und Brin zu den reichsten Menschen der Welt machte.

2015 wurde Google Teil einer neuen Dachgesellschaft namens Alphabet. Page wechselte von der Google-Spitze in den Chefposten der Gesellschaft, Sergey Brin hielt im Management eine Position als "President" mit einem nicht näher beschriebenen Aufgabenbereich. Nun ziehen sich die beiden Google-Gründer zurück, Google-Chef Sundar Pichai übernimmt das Ruder bei Alphabet. Page und Brin behalten aber Sitze im Verwaltungsrat, der dem Vorstand übergeordnet ist. Sie haben zudem auf Dauer starken Einfluss durch besondere Aktien mit mehr Stimmrechten.

Branchenbeobachter spekulierten bereits seit einiger Zeit über die Zukunft von Page: Der 46-jährige ließ sich kaum in der Öffentlichkeit blicken. Er überließ Pichai bereits zum Beispiel auch Telefonkonferenzen mit Analysten.

"Wenn das Unternehmen eine Person wäre, dann wäre es nun ein junger Erwachsener, 21 Jahre alt - und es wäre Zeit, den Hühnerstall zu verlassen", schreiben Page und Brin in einem offenen Brief auf der Firmen-Webseite.

"Liebe und Rat, aber keine tägliche Nörgelei"

Und weiter hieß es: "Wir haben uns nie an Managementrollen geklammert, wenn es bessere Möglichkeiten gegeben hat, das Unternehmen zu führen. Alphabet und Google brauchen keine zwei Geschäftsführer plus einen Präsidenten. Es ist an der Zeit für uns beide, die Rolle der stolzen Eltern zu übernehmen. Wir bieten Liebe und Rat an, aber keine tägliche Nörgelei."

Zu Alphabet gehören heute unter anderem die Roboterauto-Firma Waymo und der Lieferdrohnen-Entwickler Wing. Geld verdient wird aber fast ausschließlich mit dem Werbegeschäft von Google. So steigerte Alphabet zuletzt seinen Quartalsumsatz um ein Fünftel auf 40,5 Milliarden Dollar, wovon knapp 34 Milliarden auf das Werbegeschäft von Google entfielen. Die anderen Alphabet-Firmen mit ihren neuen Technologien erzeugen hohe Kosten bei überschaubarem Umsatz.

Zuletzt ist Google - genauso wie andere US-Megakonzerne wie Facebook, Apple und Amazon - unter verstärkten politischen Druck geraten. Inzwischen nehmen auch die lange wohlwollenden US-Wettbewerbshüter Google ins Visier. In Europa verhängte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager bereits Strafen von mehr als acht Milliarden Euro gegen Google. Der Internet-Konzern steckte sie locker weg.