Die Opec und die zehn mit ihr kooperierenden Staaten steuern auf eine weitere Förderbeschränkung zu. Das "Opec+"-Gremium zur Überwachung des Ölmarktes hat den Verhandlern am Donnerstag in Wien eine erneute Kürzung der Produktion um 500.000 Barrel (159 Liter) pro Tag empfohlen. Das erklärte der russische Energieminister Alexander Nowak nach den Beratungen des Gremiums. Der Schritt sei nötig, weil unter anderem im ersten Quartal 2020 eine geringere Nachfrage zu erwarten sei.

Das Treffen ist für die Verbraucher von Bedeutung, da es Einfluss auf die Benzin- und Ölpreise haben könnte.

Vor einem Jahr hatten sich die "Opec+"-Staaten nach langen Verhandlungen darauf verständigt, 1,2 Millionen Barrel (159 Liter) Öl pro Tag weniger als im Oktober 2018 aus dem Boden zu pumpen. Diese Vereinbarung wurde im Juli verlängert und gilt noch bis Ende März 2020. Zuletzt wurde darüber diskutiert, diese Vereinbarung erneut zu verlängern, der irakische Minister forderte sogar eine Verschärfung um weitere 400.000 Barrel Öl am Tag. Der russische Energieminister Alexander Nowak hatte sich kürzlich dafür ausgesprochen, eine Entscheidung zu vertagen. Derzeit sei es zu früh, um solche Entscheidungen zu treffen.

Verlängerung für Jahr 2020 ist unwahrscheinlich

"Ich glaube, der kleinste gemeinsame Nenner ist eine Verlängerung bis Juni 2020", sagt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. Eine Verlängerung für das gesamte Jahr 2020 wäre eine Überraschung. Eine noch stärkere Förderbeschränkung hält de la Rubia für unwahrscheinlich. "Das ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit, dass man sich dann an noch mal niedrigere Zahlen halten würde", sagte de la Rubia.

Schließlich produzierten etwa der Irak und auch Russland derzeit zu viel Öl, auch Nigeria falle es schwer, sich an die Begrenzung zu halten. Das Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien hat seine Produktion dagegen deutlich stärker gekürzt als vereinbart.

Die 14 Opec-Staaten haben im Oktober etwa 29,7 Millionen Barrel Öl pro Tag aus dem Boden gepumpt - das entspricht etwa 30 Prozent der weltweiten Ölproduktion. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur liegt der Bedarf an Opec-Öl im ersten Halbjahr 2020 aber nur noch bei 28,3 Millionen Barrel am Tag.

"Mit Blick auf den Ölbedarf müsste die Opec mindestens um eine weitere Million Barrel kürzen", erklärt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Vor allem die Russen sähen aber für sich keinen Nutzen in einer Kürzung.

Die Opec steht jedenfalls vor einem Dilemma: Mit einer verlängerten Förderkürzung könnte das Ölkartell auf die zu erwartende, geringere Nachfrage reagieren. Gleichzeitig könnten die Staaten so Marktanteile im globalen Ölgeschäft verlieren.