Der Börsengang des staatlichen saudischen Öl-Riesen Saudi Aramco wird die größte Neuemission aller Zeiten. Die drei Milliarden Aktien werden zum Preis von 32 Riyal (umgerechnet 7,70 Euro oder 8,53 US-Dollar) und damit am oberen Ende der Spanne ausgegeben, die von 30 bis 32 Riyal reichte. Das gab der Konzern am Donnerstagabend bekannt und bestätigte so frühere Angaben informierter Kreise.

Dies würde einer Bewertung des Unternehmens von 1,7 Billionen Dollar entsprechen. Weil Aramco nur 1,5 Prozent seiner Aktien zum Kauf anbietet, dürfte der Staatskonzern damit bis zu 25,6 Milliarden Dollar (umgerechnet 23,10 Milliarden Euro) einnehmen. Unter Ausnutzung einer 15-prozentigen Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) könnten es sogar 29,4 Milliarden Dollar sein.

Der Ausgabepreis von 32 Riyal je Aktie liegt am oberen Ende der Preisspanne, die Aramco zwischen 30 und 32 Riyal (rund 8,00 bis 8,50 Dollar) festgelegt hatte. Der Börsengang war 4,7 mal überzeichnet, teilte Aramco weiter mit. Ab wann die Aktie gehandelt wird, sagte der Konzern zunächst nicht, bisher war dafür der 11. Dezember im Gespräch gewesen.

Im Jahr 2014 hatte der chinesische Alibaba-Konzern 25,03 Milliarden Dollar von der Börse geholt, dies ist nun nur noch die zweitgrößte Neuemission aller Zeiten.

Zwar wird der Börsenwert des weltweit profitabelsten Unternehmens mit astronomischen 1,5 Billionen Euro veranschlagt - doch Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman hatte ursprünglich auf zwei Billionen spekuliert. Das Londoner Wirtschaftsforschungsunternehmen Capital Economics hält es für "unwahrscheinlich, dass die Börsennotierung der Kassenschlager wird, auf den das Königreich einst hoffte".

Saudi Aramco hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, die Unternehmensanteile seien 1,7-fach überzeichnet. Zum Vergleich: Anteile der National Commercial Bank, des größten Kreditinstituts des Landes, wollten beim Börsengang 2014 weit mehr als zwanzigmal so viele Anleger kaufen wie möglich. 2006 zeichneten rekordverdächtige zehn Millionen Saudi-Araber bei der Immobiliengesellschaft Emaar. Aramco hatte Stand vergangene Woche nur etwa halb so viele Kleinanleger überzeugt.

Anleger boten knapp
29 Milliarden Euro

Institutionelle Anleger boten demnach insgesamt knapp 29 Milliarden Euro. Nur rund zehn Prozent dieser Summe entfielen auf ausländische Investoren. Das ist keine Überraschung: Werbeveranstaltungen in den USA und Europa wurden abgesagt, beim Börsengang hofft Saudi-Arabien vielmehr auf regionale Unterstützung.

Während also der malaysische Mineralölkonzern Petronas anders als zunächst erwartet wohl doch nicht in Aramco investiert, kommen 1,4 Milliarden Euro aus Abu Dhabi und auch der Golfnachbar Kuwait will Geld bereitstellen.

Aramco verspricht lokalen Investoren höhere Dividenden und zusätzliche Anteilsoptionen, Banken lockten mit besonders attraktiven Krediten. Die Regierung versucht es mit einer anderen Strategie und stellt es für die Wohlhabenden des Landes als patriotische Pflicht dar, sich an dem Unternehmen zu beteiligen.

Doch nicht alle Nationalisten im ultrakonservativen Saudi-Arabien stehen hinter Kronprinz Mohammed bin Salman und seinem Plan, mit den Einnahmen aus dem Börsengang eine fundamentale Transformation der heimischen Volkswirtschaft zu finanzieren und neue Großprojekte neben dem Energiesektor in Angriff zu nehmen. Aramcos Börsengang entwickle sich "zu einer wirtschaftlichen Demonstration der Stärken und Schwächen" der neuen Hinwendung von Saudi-Arabien zum Nationalismus, beobachtet Kristin Diwan vom Washingtoner Arab Gulf States Institute. Manche Saudi-Araber fühlen sich hin- und hergerissen zwischen gegensätzlichen Ratschlägen von religiöser Seite: Der Geistliche Abdullah al-Mutlak bezeichnete den Börsengang als "halal" - also als den islamischen Vorschriften entsprechend - und sagte, wahrscheinlich würden auch religiöse Gelehrte Anteile kaufen. Aus Sicht eines anderen einflussreichen Klerikers, Abdelasis al-Fausan, ist das jedoch nicht mit islamischen Werten vereinbar. "Wir sind verloren zwischen ihnen", kommentiert ein Twitter-Nutzer.

Aramco wurde 1933 als California-Arabian Standard Oil Company gegründet. 1988 verwandelte die saudische Regierung die Firma unter dem Namen Saudi Aramco in einen Staatskonzern. Sitz ist Dhahran im Osten Saudi-Arabiens. Ende 2018 waren die nachgewiesenen Erdölvorkommen Aramcos nach eigener Aussage fünfmal größer als die der fünf großen internationalen Ölkonzerne, also ExxonMobil, Shell, BP, Chevron und Total.