Seit zwei Abstürzen von Boeing 737 Max im Oktober 2018 in Indonesien und im März 2019 in Äthiopien mit insgesamt 346 Toten gilt ein weltweites Flugverbot für diesen Flugzeugtyp. Und der Hersteller ist auch mehr als ein Jahr nach dem ersten Absturz immer noch weit davon entfernt, sein Modell wieder in die Luft zu bekommen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat am Mittwoch Untersuchungen der Fertigung beim Airbus-Rivalen angekündigt, nachdem ein ehemaliger Boeing-Manager scharfe Kritik an den Produktionsabläufen geübt hatte. "Ich habe eine Fabrik im Chaos erlebt", erklärte Ed Pierson bei einer Anhörung vor US-Abgeordneten. Termindruck und die Erschöpfung von Arbeitern seien zu Lasten von Qualität und Sicherheit gegangen.

Boeing hielt dem entgegen, dass der Konzern regelkonform mit Sicherheitsmaßnahmen und Software-Updates auf den Absturz im Oktober 2018 reagiert habe. Knapp fünf Monate später stürzte dann eine zweite 737 Max in Äthiopien ab. Nach der Anhörung erklärte die US-Luftfahrtbehörde FAA, dass die 737 vor Jahresende keine Starterlaubnis mehr bekämen. Vor einer erneuten Zulassung seien fast ein Dutzend Punkte zu bearbeiten, betonte FAA-Chef Steve Dickson. Boeing drohten zudem Strafzahlungen, falls Informationen über Probleme bei den Modellen nicht rechtzeitig weitergegeben worden seien.

Aber nicht nur Boeing steckt in einer tiefen Krise. Auch die FAA selbst ist wegen der ursprünglichen Zertifizierung der Boeing 737 Max in die Kritik geraten. Ermittler vermuten, dass die Unglücke mit einem Stabilisierungssystem zusammenhängen, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt. (reuters)