Die Einkommen in der Welt steigen. Das ist gut. Die Umweltprobleme steigen ebenfalls. Das ist schlecht. Im Falle der Klimaerwärmung drohen sogar sehr große Katastrophen. Eine von vielen geforderte Konsequenz: Wirtschaftswachstum soll beendet werden, und zwar trotz seiner günstigen Folgen für den Lebensstandard. In diesem Beitrag wird gezeigt: Es droht ein starker Anstieg von Armut, wenn die Wirtschaftsleistung in der Welt tatsächlich nicht mehr steigt, es also kein Wachstum mehr gibt.

Die Beschränkung des Temperaturanstiegs erfordert jedoch immense Investitionen. Dabei entstehen Einkommen, nämlich Löhne und Profite. Wirtschaftswachstum und Umweltschutz sind also vereinbar. Allerdings, und das ist wichtig, kann der private Konsum nicht im gleichen Umfang wachsen, wie es die Einkommen tun.

Der individuelle Konsum kann nicht mehr so wachsen wie bisher. Arbeit und Kapitalgüter werden für andere Produktionen benötigt, um die Klimaerwärmung zu begrenzen. - © Getty Images/Cris Faga/NurPhoto
Der individuelle Konsum kann nicht mehr so wachsen wie bisher. Arbeit und Kapitalgüter werden für andere Produktionen benötigt, um die Klimaerwärmung zu begrenzen. - © Getty Images/Cris Faga/NurPhoto

Es stimmt: Die Menschen verändern durch die Produktion und den Konsum von Gütern und Leistungen ihre Umwelt. Vieles davon ist schädlich für uns. Würde weniger produziert und konsumiert werden, dann wären die Schäden geringer. Aber von weniger Reichtum wird nichts besser. Für sehr viele Menschen würde die Hoffnung auf einen Lebensstandard im Ausmaß auch nur desjenigen, den die untere Mittelschicht der reichen Staaten hat, zunichtegemacht werden.

Peter Rosner war a.o Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien. In diesem Jahr erschien sein Buch "Reden wir über Ökonomie", Verlag Metropolis, in dem er eine Einführung in die Ökonomie bietet. - © www.orange-foto.at
Peter Rosner war a.o Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien. In diesem Jahr erschien sein Buch "Reden wir über Ökonomie", Verlag Metropolis, in dem er eine Einführung in die Ökonomie bietet. - © www.orange-foto.at

Darüber hinaus gilt, dass selbst bei Konstanz des gegenwärtigen Umfangs von Produktion und Konsum es nicht möglich ist, das heutige Niveau des Lebensstandards aufrechtzuerhalten. Es wächst nämlich die Bevölkerung. Und ein Ende dieses Bevölkerungswachstums ist nicht abzusehen. Zwar geht in fast allen Ländern die Geburtenrate langsam zurück, aber es sinkt gleichzeitig auch die Säuglingssterblichkeit. Während früher fünf Geburten einer Frau oft nur ein oder zwei zusätzliche Menschen bedeuteten, so können es heute durchaus fünf sein. Das ist auch gut so. Es ist zu hoffen, dass die Säuglingssterblichkeit weiterhin zurückgehen wird, und nicht, dass sie wieder steigt.

Auch in der reichen Welt
haben die Wenigsten genug

Der zweite Grund für ein noch langfristig anhaltendes Wachstum der Bevölkerung liegt in der derzeit noch niedrigen Lebenserwartung in einigen Teilen der Welt. In den Staaten südlich der Sahara liegt sie bei etwa 60 Jahren. Würde sie auf die bei uns üblichen 80 Jahre steigen, so würde auch bei geringer Geburtenrate die Bevölkerung in diesen Ländern um 30 Prozent größer werden. Gäbe es kein Wachstum der Wirtschaft, wären die Menschen dort zu schrecklicher Armut verdammt.

Eine weitere Folge eines Endes von Wirtschaftswachstum: Niemand könnte reicher werden, ohne dass ein anderer ärmer wird. Verteilungskonflikte würden deshalb schärfer werden. Technische Veränderungen, die ja oft mit dem Wunsch nach höherem Einkommen verbunden sind, würden erschwert. Es müssten ja die höheren Einkommen der Pioniere durch niedrigere von anderen Personen ausgeglichen werden.