London/New York. In Kombination mit der Hoffnung auf ein US-chinesisches Handelsabkommen hat das Wahlergebnis in Großbritannien am Freitag ein regelrechtes Kursfeuerwerk an den Börsen entfacht. "Die Anleger haben zwei der größten Geschenke auf ihrem Wunschzettel bekommen", meinte der Analyst Sean Callow von der Westpac Bank. "Daran sollten sie zumindest eine Weile Freude haben."

Das Pfund Sterling kletterte dank des klaren Wahlsiegs des britischen Premierministers Boris Johnson auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 1,3514 Dollar. Der Wechselkurs zum Euro verzeichnete mit 1,2079 sogar den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Mit einem Plus von 2,1 Prozent steuerte das Pfund zudem auf den größten Tagesgewinn seit elf Jahren zu.

Am Aktienmarkt stieg der FTSE-100 der Börse London um satte 1,29 Prozent. Der irische Leitindex ISEQ, der ebenfalls sensibel auf Nachrichten rund um den Brexit reagiert, erreichte zwischenzeitlich sogar ein Zwölf-Jahres-Hoch von 7.329,18 Zählern. Deutlich Kursgewinn gab es zudem an anderen wichtige Börsenplätzen. Der DAX legte um bis zu 1,5 Prozent zu und lag damit nur noch knapp 200 Zähler unter seinem Rekordhoch. Und der EuroStoxx50 markierte mit 3.761,68 Stellen den höchsten Stand seit gut viereinhalb Jahren. Bis zum Nachmittag bröckelten die Gewinne etwas ab, dennoch lagen beide Indizes noch jeweils rund ein Prozent im Plus. Auch an den US-Börsen deutete sich eine Fortsetzung des Rekordlaufes an.

Hauptprofiteure der schwindenden Unsicherheit seien der Immobiliensektor und die Banken, schrieben die Analysten der Barclays Bank. Der Immo-Branchenindex steuerte mit einem Plus von zeitweise 6,6 Prozent auf den größten Tagesgewinn seit mehr als zehn Jahren zu. Die Baufirmen Persimmon, Berkeley, Barratt und Taylor Wimpey verbuchten allesamt Kursgewinne von mehr als 10 Prozent. Den Aktien der auf den Heimatmarkt fokussierten Royal Bank of Scotland (RBS) winkte mit einem Plus von gut 14 Prozent der größte Tagesgewinn seit Frühjahr 2009.

Starkes Interesse gab es zudem an den Papieren der britischen Versorgungsunternehmen. Die Titel von Centria, SSE und National Grid verbuchten teilweise die größten Kurssprünge seit Jahren. Die jetzt klar geschlagenen Labour Party hatte in ihrem Wahlprogramm die Verstaatlichung der Unternehmen gefordert.