Helikopter-Geld, Klimakrise, vernetzte Städte und das Weltall - die kommenden zehn Jahre dürften für Investoren reichlich Nervenkitzel bringen. Könnten es sogar noch einmal goldene 20er werden, wie vor hundert Jahren, als Wohlstand, technischer Fortschritt und soziale Errungenschaften wie das Frauenwahlrecht das Leben zumindest vorerst zum Besseren veränderten? Möglich.

Die Finanzmärkte gehen mit gehörigem Schwung in das Jahrzehnt, nachdem in den vergangenen Jahren die Aktien weltweit mehr als 25 Billionen Dollar im Wert gestiegen sind. Doch bei aller Euphorie bleibt Vorsicht. Denn der gegenwärtige Aufschwung währt so lange wie nie zuvor, zumindest in der Geschichte der USA, und eine Rezession gilt über kurz oder lang als unvermeidlich. Und schließlich jährt sich 2029 auch der Zusammenbruch der Wall Street zum 100. Mal, der die Weltwirtschaftskrise auslöste und den Aufstieg der Nationalsozialisten begünstigte.

Negative Zinssätze

Schon im abgelaufenen Jahrzehnt haben die Notenbanken unkonventionelle Schritte ausprobiert, um die Finanzkrise nach dem Kollaps der Lehman Brothers zu überwinden. Sie brachten negative Zinssätze oder den Kauf von Wertpapieren auf den Weg. Die Experten der Deutschen Bank halten es für möglich, dass sie in den 20er Jahren noch weiter gehen: "Es erscheint unumgänglich, dass vor uns eine Welt mit Helikopter-Geld liegt." Dabei versorgen Notenbanken oder Regierungen die Verbraucher mit Barem, um so den Konsum anzukurbeln - in den 10er Jahren wurde diese Idee noch verworfen. Allerdings dürfte so die weltweite Verschuldung weiter steigen, die jetzt schon auf Rekordhoch liegt.

Schon im ablaufenden Jahrzehnt brachten die Geldspritzen der Notenbanken nicht die erhoffte Inflation in den Industriestaaten, sondern trieben allenfalls die Kurse an den Finanzmärkten nach oben. Auch Immobilien verteuerten sich massiv, während die Einkommen nicht im gleichen Ausmaß Schritt hielten. Die damit verbundene Ungleichheit schürte den Widerstand gegen die Globalisierung. Das Ergebnis ist eine Welt, in der die internationale Zusammenarbeit zurückgeht, oder, wie es die Experten der Investmentbank Morgan Stanley bezeichnen, eine Welt der "Slow-balisierung", also einer Globalisierung mit angezogener Handbremse. Unter dem Strich dürfte es am Markt weiter aufwärts gehen, sagen sie voraus - aber nicht mehr so stark wie in den Jahren nach der Finanzkrise.

Um die Klimaschutzziele des Pariser Abkommens einzuhalten, müssen die OECD-Staaten bis 2030 vollständig auf das Verbrennen von Kohle verzichten. Die Experten der Bank of America (BoA) gehen davon aus, dass saubere Energieträger und Elektroautobauer als Gewinner hervorgehen dürften - der Markt ist ihren Schätzungen nach schon jetzt 300 Milliarden Dollar schwer.

Schließlich dürfte der technologische Fortschritt das Leben stark verändern. Die 20er Jahre könnten nach Einschätzung der UBS das Zeitalter der vernetzten Städte werden, wo große Datenmengen und Roboter eine bessere Verwaltung oder ein besseres Gesundheitswesen sicherstellen. Bis 2025 dürften die Ausgaben dafür zwei Billionen Dollar erreichen, die Zahl der mit dem Internet verbundenen Geräte dürfte sich bis dahin auf 46 Milliarden gut vervierfachen.

Mehr Satelliten im All

Dank Fortschritten in der Raketen- und Satellitentechnik dürfte so auch die letzte Grenze fallen: der Weltall. Schon 2019 wurde der erste ETF-Fonds aufgelegt, der sich mit dem Thema beschäftigt. Die UBS sieht "Parallelen damit, wie das weltweite Internet .... zur Jahrtausendwende ganz neue Möglichkeiten eröffnet hat". So rücke der Weltalltourismus in Reichweite, das Militär schicke mehr Satelliten ins All, und auch die zivile Nutzung - etwa für Kommunikationsdienste - werde zunehmen. Die Experten der UBS gehen davon aus, dass in den kommenden Jahrzehnten die "Weltall-Wirtschaft" auf eine Billion Dollar kommt, von derzeit 340 Milliarden Dollar.(apa/reuters)