Der einst gefeierte Automanager Carlos Ghosn, dem Untreue und finanzielles Fehlverhalten vorgeworfen wird, hat sich am Mittwoch erstmals seit seiner spektakulären Flucht aus Japan in den Libanon öffentlich zu Wort gemeldet.

Er sei nicht hier, um darüber zu sprechen, wie er Japan verlassen habe, sondern warum, sagte Ghosn in einer Pressekonferenz in Beirut. Er sei unschuldig und wolle seinen Ruf wiederherstellen. Er habe keine andere Wahl gehabt als zu fliehen, denn er hätte keine Chance auf ein faires Verfahren in Japan gehabt. Er habe sich wie die Geisel eines Landes gefühlt, dem er 17 Jahre lang gedient habe.

Er sei bis zu acht Stunden am Tag verhört worden, ohne dass Anwälte zugegen gewesen seien. 14 Monate lang habe er nicht mit seiner Frau und mit Freunden sprechen können. Man habe in brechen wollen, sagte Ghosn. Er habe sich hoffnungslos gefühlt.

Die Flucht sei die schwierigste Entscheidung seines Lebens gewesen. Aber er habe sich einem System gegenüber gesehen, in dem die Verurteilungsrate 99,4 Prozent betrage. Und für einen Ausländer wie ihn sei die Rate sogar noch höher.

Der ehemalige Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi hatte in Japan unter Anklage gestanden, war aber gegen eine Kaution auf freiem Fuß, als er am 29. Dezember über Istanbul die Flucht in seine libanesische Heimat ergriff. Die genauen Umstände seiner Ausreise sind noch ungeklärt, angeblich wurde Ghosn aber von zwei amerikanischen Helfern in einer Instrumentenkiste versteckt aus dem Land geschmuggelt.

Die Staatsanwaltschaft von Tokio hat indessen auch einen Haftbefehl gegen Ghosens Ehefrau erwirkt. Carole Ghosn, die sich ebenfalls nicht mehr in Japan aufhält, soll bei einer Befragung im vergangenen April falsche Angaben gemacht haben.

Die libanesische Regierung ließ bereits wissen, Ghosn sei legal eingereist, ein Auslieferungsabkommen mit Japan gebe es nicht. Auch die französische Regierung hat bereits erklärt, sie werde Ghosn nicht ausliefern, sollte er nach Frankreich reisen. Dort führte der ehemalige Manager lange Jahre den Autobauer Renault. (apa/Reuters)