Das boomende Geschäft mit SUV hat BMW im vergangenen Jahr zu einem weiteren Absatzrekord verholfen. Die neuen oder überarbeiteten BMW X-Modelle hätten mit einem Absatzplus von 21 Prozent auf knapp 959.000 Fahrzeuge signifikant zum Wachstum beigetragen, teilte der deutsche Konzern mit. Der Absatzrekord des vergangenen Jahres wurde maßgeblich vom weltweiten Boom der Stadtgeländewagen getragen, hieß es weiter.  

Im Luxussegment, zu dem neben dem X7 auch die 7er- und die 8er-Reihe gehören, stieg der Absatz sogar um 66 Prozent auf 105.000 Fahrzeuge. Im laufenden Jahr will BMW die Verkaufszahlen der Luxusklasse gegenüber 2018 verdoppeln. Bereits am Mittwoch hatte der deutsche Konzern für das vergangene Jahr einen Bestwert von 2,52 Millionen verkauften Autos seiner drei Marken BMW, Rolls-Royce und Mini gemeldet. Das entspricht einem Plus von 1,2 Prozent. Auch im laufenden Jahr strebt Vertriebsvorstand Pieter Nota für den Konzern ein leichtes Absatzplus an. Maßgebliche Wachstumsregionen waren erneut China, Deutschland und die USA.

Strafzahlungen

BMW stützt sein Wachstum wesentlich auf Sprit schluckende SUV und Luxuswagen - trotz schärferer Klimaschutzvorgaben. Seit Jahresbeginn gelten in der EU schärfere Grenzwerte für klimaschädliches Kohlendioxid, das die neu verkauften Fahrzeuge einzelner Hersteller insgesamt ausstoßen dürfen. Gerade SUV verbrauchen wegen ihrer Größe und ihres Gewichts mehr als konventionelle Autos und stoßen daher auch mehr klimaschädliches CO2 aus. Wer die Vorgaben verfehlt, muss hohe Strafen zahlen. "Definitiv sind Strafzahlungen für uns keine strategische Option", hatte Finanzvorstand Nicolas Peter jedoch im November bei der Vorlage der Quartalszahlen gesagt.

Vor dieser Herausforderung stehen viele Hersteller. Bereits zu Monatsbeginn hatte das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt mitgeteilt, dass die Branche ihr Absatzplus im vergangenen vor allem dem SUV-Boom verdankt. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) waren SUV im vergangenen Jahrzehnt weltweit der zweitstärkste Faktor für den Anstieg der CO2-Emissionen. An erster Stelle stand demnach die Energiewirtschaft, an dritter Stelle die Schwerindustrie mit Herstellern von Eisen, Stahl, Zement und Aluminium.

BMW will die verschärften CO2-Grenzwerte auch durch ein Absatzwachstum von Elektroautos erreichen, darunter auch SUV. Der Anteil von Autos mit reinem Elektroantrieb und Hybridfahrzeuge solle in Europa bis 2021 auf ein Viertel und bis 2030 auf die Hälfte des Absatzvolumens steigen. Konzernweit machen Wagen mit Elektroantrieb bisher lediglich 5,8 Prozent der insgesamt verkauften Autos des BMW-Konzerns aus. Die Zahl stieg im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent auf 146.000 - gegenüber 2,52 Millionen Wagen insgesamt.

Unter den Oberklassemarken hatte im vergangenen Jahr weltweit Mercedes-Benz die Nase vorn. Die Marke mit dem Stern lieferte 2019 mit 2,34 Millionen Fahrzeugen 1,3 Prozent mehr als im Jahr davor aus, wie der Daimler-Konzern am Donnerstag mitgeteilt hatte. Die Marke BMW steigerte den Absatz nach Angaben vom Freitag um zwei Prozent auf 2,17 Millionen Autos. An dritter Stelle stand die Volkswagen-Tochter Audi mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 1,85 Millionen Fahrzeuge.

 

SUV-Boom in Österreich

SUVs sind auch in Österreich sehr beliebt, der Boom hält weiter an. Einer Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zufolge habe sich der Anteil der SUV und Geländewagen bei den Neuwagen in diesem Jahrzehnt fast verdreifacht. "Während im Jahr 2010 nur einer von acht Neuwagen ein SUV oder Geländewagen war, ist es heute bereits einer von drei", heißt es.

Der damit einhergehende höhere reale Spritverbrauch der SUV und damit der höhere CO2-Ausstoß erschwere jedoch das Erreichen der Klimaziele", so VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen. Gefördert werde der Kauf der großen Modelle unter anderem von der Steuerbegünstigung bei Diesel. Rund zwei Drittel der großen SUV fahren laut VCÖ mit Diesel. Der Verband plädiert daher für einen Abbau dieser Steuerbegünstigung. (apa)