Auch "Fridays for Future" will da sein. Wenn ab nächstem Freitag (17. Jänner) tausende Landwirte und Verbraucher zur Agrarmesse Grüne Woche nach Berlin kommen, könnten sie Vertreter der jungen Klimaschützer direkt vor Ort treffen. Es soll Diskussionen geben, wohl einen eigenen Stand. Überhaupt ist der traditionelle Jahresauftakt der Ernährungsbranche diesmal politisch besonders aufgeladen.

Bei vielen Bauern brodelt es. Nach Traktor-Protesten in der halben Republik sagte ihnen Kanzlerin Angela Merkel mehr Gehör bei neuen Umweltauflagen zu. Für die erwarteten 400.000 Messebesucher geht es bis 26. Jänner aber auch ums Sehen, Riechen und: Schmecken.

Bauern sehen sich als Klimapraktiker

In der Hauptstadt präsentieren sich mehr als 1800 Aussteller aus Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Gartenbau. Partnerland ist diesmal Kroatien. Regionale Produkte bleiben im Trend. Und auch veganes Essen und Trinken: Gab es vor fünf Jahren gerade einmal zwei Aussteller dazu, sind es nun 150. In den Messehallen kommen Genüsse vom Krustenbraten bis Insekten auf den Teller. Es gibt Reitturniere und Tierschauen, Feldroboter in Aktion und für viele Großstädter ein sonst nur seltenes Angebot: mit Landwirten ins Gespräch zu kommen. Viele Bauern sehen sich dabei selbstbewusst als Klimapraktiker. Im "Erlebnisbauernhof" auf dem Messegelände will sich die Branche auch zu diesem Thema stellen, 100 Landwirte sollen als "Agrarscouts" für Besucherfragen da sein.

Eine grundlegende "Agrarwende" fordert ein Bündnis, das wieder parallel zur Messe tausende Demonstranten auf die Straßen Berlins bringen will. "Wir haben es satt", lautet seit Jahren das Motto. Es geht um mehr Umwelt-, Klima- und Tierschutz. Also zum Beispiel auch weniger Unkrautgifte, Gülle, Importfutter und Lebensmittelexporte. "Die Agrarindustrie heizt die Klimakrise und gesellschaftliche Konflikte gefährlich an", heißt es im Aufruf mehrerer Natur- und Tierschutzverbände, kirchlicher und bäuerlicher Organisationen.

"Fridays vor Future" will das Gespräch auch in den Messehallen suchen, nicht nur davor. "Die Grüne Woche ist ein guter Ort, uns zu präsentierten und auf die Klimaziele aufmerksam zu machen", sagt Lilith Rein als Vertreterin der Initiative.

"Wer Bio auf den Feldern will, muss Bio kaufen"

Redebedarf gibt es viel. Denn Landwirte fürchten, dass zusätzliche Vorgaben auch finanziell kritisch werden könnten. Auf Investitionskosten für mehr Tierwohl in den Ställen und höhere Standards auf Äckern dürften die Höfe nicht sitzen bleiben, mahnt die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner (CDU). Das lenkt den Blick auf die Einflussmöglichkeiten der Verbraucher - und Billigangebote im Supermarkt. Wie passen Erwartungen nach mehr Umwelt- und Tierschutz und Schnäppchen wie vier Puten-Hacksteaks für 1,59 Euro zusammen? Man müsse sich bewusst machen, dass jedes ausgewählte Produkt eine Bestellung auslöse, betont Klöckner. "Wer Bio auf den Feldern will, muss Bio kaufen." Die Verbraucherzentralen fordern dafür aber auch mehr Informationen für Kaufentscheidungen.

"Der Preis ist keine Orientierung für Qualität", konstatiert der Chef des Bundesverbands, Klaus Müller. Nötig sei, Verbrauchern deutlich zu machen, wo es unterschiedliche Produkt- und Prozessqualitäten gebe.(dpa/red.)