China und die USA bekommen ihren Handelskrieg deutlich zu spüren: Der Handel zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt ist im vergangenen Jahr um 14,6 Prozent eingebrochen, wie der chinesische Zoll am Dienstag in Peking bei der Vorlage der in US-Dollar berechneten Zahlen mitteilte.

Chinas Importe aus den Vereinigten Staaten sackten sogar um 20,9 Prozent auf 122 Milliarden US-Dollar (umgerechnet knapp 110 Milliarden Euro) ab, während Chinas Exporte in die USA um 12,5 Prozent auf 418 Milliarden US-Dollar zurückgingen.

Nach zwei Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten fiel der gesamte chinesische Außenhandel im vergangenen Jahr erstmals um ein Prozent. Die Exporte legten insgesamt nur leicht um 0,5 Prozent zu, die Importe fielen jedoch um 2,8 Prozent.

Es gab aber einen Lichtblick für China: Der gesamte Außenhandel erholte sich im Dezember und stieg um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Importe legten im Dezember um 16,3 Prozent zu, während Exporte um 7,6 Prozent anstiegen. Experten führten den Anstieg zum Teil aber auch auf niedrige Vergleichszahlen zurück.

Unterzeichnung des Teilabkommens am Mittwoch

Die Vorlage der Handelszahlen erfolgte einen Tag vor der geplanten Unterzeichnung des Teilabkommens über die erste Phase im Handelskrieg am Mittwoch in Washington.

Dazu ist Chinas Chefunterhändler und Vizepremier Liu He mit einer großen Delegation angereist. Nach US-Angaben verpflichtet sich China darin unter anderem, seine Importe aus den USA über zwei Jahre um 200 Milliarden US-Dollar zu erhöhen.

Davon sollen mindestens 40 Milliarden US-Dollar den US-Landwirten zugutekommen - einer wichtigen Gruppe für US-Präsident Donald Trump mit Blick auf die Wahl im November. Auch soll China zugesagt haben, für rund 75 Milliarden US-Dollar Fertigerzeugnisse zu kaufen sowie für 50 Milliarden US-Dollar Energie und für 35 bis 40 Milliarden US-Dollar Dienstleistungen, wie "Politico" berichtete.

Endgültiges Abkommen wohl erst nach US-Wahlen

Ferner soll es Vereinbarungen zu den Themen geistiges Eigentum, Technologietransfer und Wechselkurse geben. Im Gegenzug verzichteten die USA bereits im Dezember auf die Verhängung angedrohter neuer Strafzölle auf Konsumgüter im Wert von 150 Milliarden Dollar. Die bereits seit 2018 verhängten Sonderabgaben von 25 Prozent auf Waren im Wert von 250 Milliarden Dollar sollen allerdings bestehen bleiben.

Weitere Zölle in Höhe von 15 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 120 Milliarden Dollar sollen gleichwohl halbiert werden. Trump sieht die bestehenden Strafzölle als Trümpfe für die Verhandlungen über ein Abkommen für die zweite Phase. Aus seiner Sicht könnte es aber erst nach der Wahl im November zu einem neuen Deal kommen.

Der Handelskrieg lastet schwer auf Chinas Wirtschaft. "Die von den USA bereits erhobenen Zölle haben Chinas Exporte getroffen", sagte der Wirtschaftsexperte Max Zenglein vom China-Institut Merics in Berlin. "Weil die USA einer der wichtigsten Absatzmärkte für das Land sind, drückt dies auch zunehmend den Gesamtexport."

Yuan steigt auf
höchsten Stand seit Juli 2019

Der Rückgang der Importe lasse sich vor allem durch das langsamere Wachstum in China erklären, das heuer etwas mehr als 6 Prozent erreichen dürfte. "Dadurch wurden sowohl von Seiten der Industrie als auch von Seiten der Konsumenten weniger ausländische Erzeugnisse nachgefragt." Hinzu komme, dass der schwächere Wechselkurs des Yuan gegenüber dem US-Dollar über weite Strecken 2019 ausländische Waren verteuert und die Nachfrage gebremst habe.

Am Dienstag verzeichnete der chinesische Yuan sogleich Kursgewinne. Die Währung Chinas profitierte von der Entscheidung der US-Regierung, die Volksrepublik nicht mehr als Währungsmanipulator zu brandmarken. Für Auftrieb sorgten auch solide Außenhandelsdaten aus China für den Monat Dezember. Zum US-Dollar stieg der Yuan auf den höchsten Stand seit Juli vergangenen Jahres.

Druck auf chinesische Regierung könnte steigen

Auch wenn der Außenhandel für Chinas Wirtschaft im Vergleich zu früher nicht mehr ganz so wichtig ist, "ist der Export für Teile der herstellenden Industrie von großer Bedeutung", hob Zenglein hervor. Ein Einbruch des Außenhandels könnte das Wirtschaftswachstum "stärker und schneller verlangsamen, als es der Regierung lieb ist".

Auch könnte es in exportabhängigen Regionen zu steigender Arbeitslosigkeit führen. "Damit steigt der Druck auf die Regierung", sagte Zenglein. Die Regierung versuche, Unternehmen mit Hilfe von Steuererleichterungen und Kürzungen von Sozialabgaben zu unterstützen. Darüber hinaus versucht Peking, den Handel mit den südostasiatischen Staaten zu stärken.