Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsaussichten für Österreich abermals leicht um 0,1 Prozentpunkte zurückgenommen. Heuer soll die Austro-Wirtschaft doch nur um 1,3 Prozent zulegen, ebenso 2021. Grund ist die wegen anhaltend schwierigen internationalen Umfelds schwächelnde Industrie.

Die Autozulieferindustrie hat es 2019 stark getroffen. - © APAweb / dpa
Die Autozulieferindustrie hat es 2019 stark getroffen. - © APAweb / dpa

Das Coronavirus und seine Auswirkungen auf die Wirtschaft hat die Brüsseler Behörde in ihrer Winterprognose noch nicht "eingepreist". Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni räumte aber ein Risiko ein, das von der Krankheit ausgeht. Noch sei es zu früh, die Auswirkungen des Coronavirus abzuschätzen. Die Weiterverbreitung der neuartigen Lungenkrankheit sei das Kern-Abschwungrisiko, so Gentiloni bei der Präsentation der Wirtschaftsaussichten in Brüssel. Derzeit geht die Behörde davon aus, dass der Ausbruch in China im ersten Quartal zu einem Höhepunkt kommt und daher die globalen Folgen begrenzt bleiben.

Coronavirus hat starke Auswirkungen auf den Tourismus

Besonders betroffen ist momentan der Tourismussektor in und außerhalb Chinas, auch globale Lieferketten kämen wegen des Coronavirus unter Druck. Zu beziffern sei das alles aber noch nicht, erst bei der nächsten Prognose im Frühjahr werde man mehr sagen können. Sicher sei, dass Chinas Wirtschaft von großer Bedeutung für die Weltwirtschaft sei, so Gentiloni mit Blick auf die SARS-Epidemie im Jahr 2003. Damals habe Chinas Anteil an der Weltwirtschaft 4,5 Prozent betragen, heute 17,7 Prozent. Und: 18 Prozent der weltweiten Reiseausgaben würden von Chinesen getätigt. Man könne sich vorstellen, was es für die Tourismusbranche bedeuten würde, wenn sich das Virus weiter verbreitet.

Dank steuerlicher Maßnahmen und steigender Löhne und Gehälter dürfte es also weiterhin der Privatkonsum sein, der die Wirtschaft maßgeblich stützt. Der Außenhandel habe sich Ende 2019 etwas erholt und dürfte in den kommenden zwei Jahren in kleinem Ausmaß ansteigen. Ausnahmen seien exportierte Industriegüter und Maschinen- sowie Fahrzeugteile gewesen.

Privatkonsum und Bauinvestitionen stärken Wirtschaft

Für das abgelaufene Jahr 2019 geht die EU-Kommission nun von einem leicht höheren Wirtschaftswachstum aus, von 1,6 Prozent statt von 1,5 Prozent wie im Herbst. Zum Vergleich: 2018 hatte die heimische Wirtschaftsleistung laut EU-Berechnung um 2,4 Prozent zugelegt. Nach einem starken ersten Quartal 2019 habe sich das Wachstum im zweiten und dritten Quartal stark abgeschwächt, Gründe seien der Rückgang beim Export von Gütern und Dienstleistungen sowie bei den Ausrüstungsinvestitionen gewesen. Getroffen habe es vor allem die ins Ausland liefernde heimische Autozulieferindustrie. Im vierten Quartal habe das heimische Wirtschaftswachstum wieder an Fahrt gewonnen, getragen vom starken Privatkonsum und von Bauinvestitionen.

Die heimische Teuerung dürfte 2019 auf 1,5 Prozent (Gesamtinflation) zurückgegangen sein, nach 2,1 Prozent im Jahr 2018 und 2,2 Prozent im Jahr 2017. Grund für die gedämpfte Teuerung im Vorjahr waren die gefallenen Ölpreise und die abgeschwächte Lebensmittelteuerung. 2020 soll die heimische Teuerung wegen Basiseffekten bezüglich teurerer Energie wieder leicht auf 1,6 Prozent ansteigen, 2021 dann wieder auf 1,5 Prozent zurückgehen. Die österreichische Inflation soll damit für 2020 um 0,3 Prozentpunkte über jener des Euroraums (1,3 Prozent) liegen, 2021 um 0,1 Prozentpunkte darüber (Eurozone: 1,4 Prozent). Der Preisdruck komme vor allem von den steigenden Löhnen und Gehältern und steigenden Dienstleistungspreisen. (apa)