Zumindest an den chinesischen Börsen hat sich die Aufregung um die Coronavirus-Epidemie wieder gelegt. Nach starken fiskalpolitischen Signalen aus Peking - einer mit 1,2 Billionen Yuan (rund 156 Mrd. Euro) gefüllten Geldspritze für Geschäftsbanken und einer erneuten Zinssenkung für mittelfristige Darlehen an Finanzinstitutionen - erholen sich die Aktienmärkte von ihrem kapitalen Absturz.

Der Shanghai Composite Index schloss Montagfrüh um 2,3 Prozent fester bei 2.983,62 Punkten - das war der kräftigste Anstieg seit vergangenem Juni. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Aktien an den chinesischen Festlandbörsen beendete den Tag mit einem Plus von 2,3 Prozent auf 4.077,42 Zähler und legte damit seine beste Performance seit knapp zwei Wochen hin. Die Indizes machten die herben Verluste wieder wett, die sie nach den wegen der grassierenden Lungenkrankheit verlängerten Ferien zum chinesischen Neujahrsfest erlitten hatten.

Der Index der zweiten wichtigen Festlandbörse in Shenzhen legte bis Montagfrüh in einer ähnlichen Größenordnung noch etwas stärker zu. Die Börse in Shanghai war nach Chinesisch Neujahr vom 24. bis zum 31. Jänner geschlossen. Auch der Hang Seng Index in Hongkong festigte sich in der Nacht auf Montag weiter - um 0,5 Prozent auf 27.959,60 Einheiten.

Die Finanzplätze haben den drastischen Kursabsturz nach Ausbruch der Coronavirus-Epidemie umkehren können. Das ist der Intervention der chinesischen Regierung geschuldet, die das Finanzsystem angesichts der Krise demonstrativ gestärkt hat. Die Bank of China stellte Liquidität zur Verfügung und nahm Zinssenkungen vor - zuletzt senkte die chinesische Zentralbank heute, Montag, den Zinssatz für mittelfristige Darlehen an Finanzinstitutionen. Investoren spekulieren nun auf weitere fiskalpolitische Impulse wie neuerliche Zins- und Steuersenkungen.

Die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus hat in China 70.000 überstiegen. Mit 105 neuen Todesfällen innerhalb eines Tages sind per heute, Montag, 1.770 Todesfälle zu beklagen, wie die Gesundheitskommission in Peking mitteilte. Die nachgewiesenen Ansteckungen nahmen um 2.048 zu und erreichten 70.548.

Besonders schwer ist in Zentralchina die 60 Millionen Einwohner zählende Provinz Hubei mit der 11-Millionen-Einwohner Metropole Wuhan betroffen. Allein in der weitgehend abgeriegelten Krisenregion sind rund 58.000 Infektionen und 1.696 Todesfälle durch das Sars-CoV-2 genannte Virus bestätigt. Experten befürchten zudem eine hohe Dunkelziffer.

Am 7. Jänner wurde das Coronavirus als Erreger identifiziert, am 11. Jänner gab es den ersten gemeldeten Todesfall. Am 23. Jänner war die zentralchinesische 11-Millionen-Einwohner-Metropole Wuhan unter Quarantäne gestellt worden, in der die Lungenkrankheit ihren Ausgang nahm. (APA)