Chinas Präsident Xi Jinping stellt seine Landsleute auf einen wirtschaftlichen Rückschlag angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ein. "Gegenwärtig ist die Epidemie-Situation noch immer ernst und komplex", wird Xi am Sonntag vom Staatsfernsehen zitiert.

"Der Ausbruch der neuartigen Coronavirus-Lungenkrankheit wird unweigerlich relativ große Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft haben." Diese dürften aber nur von kurzzeitiger Natur und kontrollierbar sein.

Ökonomen zufolge könnte sich das Wirtschaftswachstum Chinas im laufenden ersten Quartal auf drei Prozent oder sogar noch weniger fallen, nachdem es Ende 2019 noch zu einem Plus von sechs Prozent gereicht hatte. Das wäre das langsamste Tempo seit fast 30 Jahren. "Für uns ist dies eine Krise und auch eine große Bewährungsprobe", sagte Xi.

Da viele Fabriken aufgrund von Personal- und Rohstoffknappheit die Produktion langsamer als erwartet wieder aufnehmen, rechnen Experten mit deutlichen Bremsspuren für die Konjunktur. Provinzen mit einem niedrigen Ansteckungsrisiko sollten sich auf die Wiederaufnahme von Arbeit und Produktion in umfassender Weise konzentrieren, forderte Xi. Regionen mit mittlerem Risiko sollten eine geordnete Wiederaufnahme der Arbeit anstreben, während sich Gebiete mit hohem Risiko auf die Kontrolle der Epidemie konzentrieren sollten.

Die Regierung werde dabei helfen, die wirtschaftlichen und sozialen Ziele für 2020 zu erreichen, sagte Xi. China werde eine umsichtige Geldpolitik beibehalten und neue politische Schritte rechtzeitig einführen. So würden schrittweise Steuersenkungen geprüft, um kleinen Unternehmen unter die Arme zu greifen. Die Regierung werde auch Maßnahmen ergreifen, um flexible Beschäftigung zu unterstützen und Hochschulabsolventen bei der Arbeitssuche zu helfen, fügte Xi hinzu.

Studie: Tourismus-Einbruch kostet Asien Milliarden

Der Einbruch des Tourismus infolge der Coronavirus-Epidemie kostet einer Studie zufolge allein Asien bis zu 115 Milliarden Dollar (106,5 Milliarden Euro) an Wirtschaftsleistung. In einer am Montag veröffentlichten Untersuchung mit dem Titel "Urlaub in der Hölle" gehen die Experten der niederländischen Bank ING davon aus, dass Reisen nach und aus China so gut wie gänzlich gestrichen werden.

"Das ist offensichtlich eine starke Vereinfachung, aber sie passt zu einem Szenario, wonach die Epidemie auch nach ihrem Höhepunkt andauert", sagte Robert Carnell, ING-Chefvolkswirt für den asiatisch-pazifischen Raum. "Amtliche Reise-Einschränkungen könnten nur langsam aufgehoben werden, und die Reisenden bleiben möglicherweise noch längere Zeit vorsichtig." (reuters/kle)