Beim Schlüsselthema 5G richten sich alle Blicke auf Europa, denn es geht um die Frage, ob beim Aufbau der 5G-Netze auch auf Technik des chinesischen Technologie-Giganten Huawei gesetzt wird.

Huawei wird seit Monaten von der Regierung von US-Präsident Donald Trump attackiert. Huawei lege mit seiner Mobilfunk-Technik das Fundament für kommende Spionage-Angriffe chinesischer Geheimdienste, lautet ein zentraler Vorwurf - ohne dass die USA dafür bisher konkrete Belege vorlegten. "Sie hoffen, dass ein Teil des Schlamms hängen bleibt, wenn sie genug Schlamm auf uns werfen", sagte Huawei-Manager John Suffolk auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Zuvor hatte der US-Sonderbeauftragte für internationale Telekommunikationspolitik, Robert B. Blair, schwere Vorwürfe gegen Huawei erhoben und verlangt, dass sich der Konzern von der chinesischen Regierung distanzieren müsse.

So wie in München versuchen die USA nun auf allen diplomatischen Kanälen, Großbritannien und die EU-Staaten zu einem Huawei-Verzicht zu drängen. Bisher sind die Europäer nicht auf den Kurs einer Total-Blockade eingeschwenkt. Die EU-Kommission und die britische Regierung sprachen sich zuletzt aber dafür aus, "risikobehaftete Anbieter" aus Kernbereichen der 5G-Netze fernzuhalten. In diese Kategorie würde auch Huawei fallen.

Die Zurückhaltung hat mehrere Ursachen. Zum einen befürchtet die deutsche Regierung Boykott-Aktionen Chinas gegen Unternehmen aus Deutschland, sollte Huawei explizit verbannt werden. Ein Totalverzicht würde auch teuer: Die Europäer haben schon beim Aufbau der 4G-Netze oft Huawei-Technik verbaut. Und da 4G und 5G nahtlos ineinander übergehen, könnte man zunächst vorhandene LTE-Anlagen von Huawei aus dem Netz reißen müssen, bevor man neue Technik der europäischen Konkurrenten Nokia und Ericsson verbaut. Das würde Unmengen kosten. Manche Schätzungen gehen von einem Betrag von bis zu 55 Mrd. Euro aus. Dazu kommen zusätzliche Kosten beim 5G-Netzaufbau, denn die Anlagen von Nokia und Ericsson sind teurer als von Huawei. "Bei gleicher Größe versorgen unsere Basisstationen drei Mal so viele Benutzer wie die Basisstationen anderer, und der Stromverbrauch beträgt nur ein Drittel der anderen", behauptet Huawei-Managerin Catherine Chen.

Auf Nokia und Ericsson warten goldene Zeiten

Die Provider haben keine große Auswahl, wenn es um die Beschaffung von 5G-Anlagen geht. Neben den chinesischen Konzernen Huawei und ZTE und den europäischen Wettbewerbern Ericsson und Nokia kann eigentlich nur noch der Samsung-Konzern aus Südkorea schlüsselfertige Anlagen liefern. Der deutsche Vorzeigekonzern Siemens war früher noch am Aufbau von 2G- und 3G-Mobilfunknetzen beteiligt. So stammte die Technik für das erste UMTS-Netz (3G) in Hongkong aus Deutschland. Siemens gelang es aber nie, das Geschäft wirtschaftlich auf ein stabiles Fundament zu stellen. So gab es erst ein Joint Venture mit Nokia und dann überließ Siemens das Know-how ganz den Finnen.

Die USA stehen wie Deutschland bei 5G ohne eigene Industrie da. Selbst die Wissenschafter in den legendären Bell Laboratories, die früher zum US-Telekomriesen AT&T gehörten, forschen inzwischen am Thema 5G für einen Arbeitgeber außerhalb der USA. Bell Labs landete erst beim US-Netzspezialisten Lucent, der 2004 vom französischen Konkurrenten Alcatel übernommen wurde. Alcatel-Lucent, und damit auch die Forscher in den Bell Labs, wurden 2016 von Nokia geschluckt. In Kreisen europäischer Rivalen wird argumentiert, die auch von staatlicher Unterstützung befeuerte globale Expansion von Huawei habe die Konzentration beschleunigt.

Damit US-Tech-Firmen wie Cisco oder Qualcomm im 5G-Infrastrukturmarkt mit Huawei mithalten können, müssten die USA Milliarden in die Hand nehmen, um das spezielle Know-how selbst aufzubauen oder durch Übernahmen einzukaufen.

Der CIA-Spezialist Thomas Donahue schlug in einem Strategiepapier Ende Jänner vor, eine Übernahme der beiden führenden europäischen Spezialisten Nokia und Ericsson ins Auge zu fassen. Es reiche nicht aus, sie mit Aufträgen zu versorgen, weil man in einem Konfliktfall zu wenig Einfluss hätte.

Selbst wenn sich die Übernahmeideen zerschlagen, können Nokia und Ericsson auf goldene Zeiten hoffen. Nach Jahren des langsamen Wachstums und der Restrukturierung werden die Konzerne alleine von den Vergabe-Quoten profitieren, wie sie zuletzt von den britischen Providern BT Group und Vodafone festgelegt wurden. (dpa)