Europas Börsen sind am Freitag vor dem Hintergrund der Ängste vor einer Corona-Pandemie mit massiven Verlusten in den Handel gestartet. Die wichtigsten Indizes lagen in den ersten Handelsminuten zwischen drei und vier Prozent im Minus und setzten damit die starke Korrektur vom Vortag fort.

Die Virus-Sorgen dominierten weiterhin die Gespräche auf dem Börsenparkett. Die Höhe der wirtschaftlichen Folgen ist noch nicht abzuschätzen. Die Ratingagentur Moody's rechnet weltweit und in den USA mit einer Rezession in der ersten Jahreshälfte. Das verschreckt Anleger. Der Ausverkauf an den Börsen ging am Freitag in Asien weiter. Den weltweiten Märkten drohen die höchsten Wocheneinbußen seit der Finanzkrise 2008.

Der deutsche DAX notierte gegen 9.15 Uhr mit einem starken Minus von 3,53 Prozent bei 11930,58 Punkten. Der Index wichtiger Aktien der Eurozone, Euro-Stoxx-50, fiel kräftig um 3,31 Prozent auf 3341,38 Zähler. Der österreichische Aktienindex ATX fiel um 2,99 Prozent auf 2.760,75 Prozent. Zeitweise war der Index mehr als vier Prozent im Minus gelegen. Bereits am Donnerstag hatten Europas Börsen massiv verloren. Der DAX kommt damit bereits auf ein Wochenminus von gut 12 Prozent, das wäre die schwächste Woche seit der Griechenland-Schuldenkrise 2011.

Anleger fliehen auch aus US-Aktien. So schloss der Dow-Jones-Index der Standardwerte am Donnerstag 4,4 Prozent oder 1190 Zähler tiefer auf 25.766 Punkten. Für den Dow war es der größte Punkterückgang an einem Tag in seiner Geschichte. Der technologielastige Nasdaq brach 4,6 Prozent auf 8566 Punkte ein. Der breit gefasste S&P 500 stürzte 4,4 Prozent auf 2978 Punkte ab.

In den vergangenen Tagen schrumpfte die Marktkapitalisierung der Aktienmärkte weltweit um drei Billionen Dollar. Das entspricht der deutschen Wirtschaftsleistung eines Dreivierteljahres.

Ölpreise im Sinkflug

Wegen der Corona-Krise haben auch die Ölpreise am Freitag ihren Sinkflug fortgesetzt. Mit einem Wochenverlust von aktuell rund 14 Prozent zeichnen sich die schärfsten Preisabschläge seit mehreren Jahren ab. Der Druck auf die großen Ölfördernationen, ihre Produktion weiter zurückzufahren, nimmt damit rapide zu.

Am Rohölmarkt richtet sich die volle Aufmerksamkeit auf die großen Förderstaaten des Ölkartells OPEC. Sie wollen Ende kommender Woche mit anderen großen Produzenten, darunter Russland, ihre Förderpolitik abstimmen.  - © APAweb /REUTERS, Leonhard Föger
Am Rohölmarkt richtet sich die volle Aufmerksamkeit auf die großen Förderstaaten des Ölkartells OPEC. Sie wollen Ende kommender Woche mit anderen großen Produzenten, darunter Russland, ihre Förderpolitik abstimmen.  - © APAweb /REUTERS, Leonhard Föger

Freitagfrüh kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 50,74 US-Dollar (46,28 Euro). Das waren 1,44 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI fiel um 1,47 Dollar auf 45,62 Dollar. Zurzeit notieren die Rohölpreise auf ihren tiefsten Ständen seit der Jahreswende 2018/19.

Am Rohölmarkt richtet sich die volle Aufmerksamkeit auf die großen Förderstaaten des Ölkartells OPEC. Sie wollen Ende kommender Woche mit anderen großen Produzenten, darunter Russland, ihre Förderpolitik abstimmen. Von diesem Verbund, genannt OPEC+, erwarten Experten eine weitere Einschränkung der bereits gedeckelten Förderung.

Hintergrund des Geschehens sind die befürchteten Konjunkturschäden durch die rasche Ausbreitung des chinesischen Coronavirus. Die Nachfrage nach Öl steht unter Druck. OPEC-Generalsekretär Mohammed Barkindo hatte am Donnerstagabend den Willen der Organisation unterstrichen, den Rohölmarkt ins Gleichgewicht zu bringen. (reu/dpa/apa)