Nach ihren zunächst gescheiterten Gesprächen haben Volkswagen und deutsche Verbraucherschützer jetzt doch noch einen gemeinsamen Vergleich zur Entschädigung von Dieselkunden erzielt. Bei ihren Güteverhandlungen am Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig einigten sich beide Seiten auf eine "umfassende Vereinbarung", wie das Gericht am Freitag mitteilte.

Vertreter von VW und des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) hatten mehrere Tage lang unter der Vermittlung des OLG-Präsidenten und früheren Staatssekretärs im niedersächsischen Justizministerium, Wolfgang Scheibel, nach einer Lösung gesucht.

Am OLG liegt bereits die Musterfeststellungsklage gegen Volkswagen wegen zu hoher Abgaswerte von Dieselfahrzeugen. VW und vzbv hatten ihre zunächst außergerichtlich geführten Beratungen über einen Vergleich für die mehr als 400.000 Kunden abgebrochen und sich dafür gegenseitig die Schuld gegeben. Sie schoben sich vor allem die Verantwortung dafür zu, den Zeitdruck durch Ultimaten erhöht zu haben - am Ende platzte die eigentlich schon angepeilte Lösung.

"Frieden mit den Kunden"

Volkswagen beschloss daraufhin, den Kunden selbst ein Angebot mit einer Gesamtsumme von rund 830 Millionen Euro zu machen. Die Verbraucherschützer äußerten jedoch Zweifel daran, dass VW jedem einzelnen Kunden beim angebotenen "Direktvergleich" eine Zahlung nach eindeutig nachvollziehbaren Kriterien gewähren werde. VW-Chefjustiziar Manfred Döss sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Abwicklung werde selbstverständlich "transparent gestaltet" und unabhängig kontrolliert. Es gehe dem Unternehmen darum, nun endlich "Frieden mit den Kunden zu machen".

Der Konflikt um den Abbruch der bilateralen Verhandlungen hatte sich an der Höhe von Honoraren für Anwälte des vzbv entzündet. VW störte sich daran, dass eine pauschale Forderung von 50 Millionen Euro Vergütung nicht näher begründet worden sei.

Die nun fixierte Entschädigungssumme von 830 Millionen Euro soll auf die rund 260.000 ins Klageregister eingetragenen VW-Kunden aufgeteilt werden. Diese erhalten je nach Alter und Typ ihres Dieselautos jeweils zwischen 1350 und 6257 Euro. Im Gegenzug müssen die Anspruchsberechtigten auf künftige Klagen verzichten. Damit will Volkswagen die Lasten durch den Dieselskandal eindämmen, der den Konzern bereits mehr als 30 Milliarden Euro gekostet hat. Der Autobauer hatte im September 2015 zugegeben, in weltweit elf Millionen Fahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben.

Österreicher gehen leer aus

Die deutschen Verbraucherschützer haben den Vergleich bereits als akzeptabel bezeichnet. Der Musterklage in Deutschland hatten sich mehr als tausend österreichische VW-Kunden angeschlossen.

Diese haben allerdings keinen Grund zur Freude. Für sie gilt der Deal nämlich nicht. Auch, wer sein Auto erst nach dem 31. Dezember 2015 gekauft oder es inzwischen verkauft hat, geht leer aus. "Der vzbz hat damit die rechtlich berechtigten Interessen von fast der Hälfte der Angemeldeten nicht erfolgreich vertreten", bedauert Peter Kolba vom Verbraucherschutzverein VSV in Wien. (dpa/reu/apa)