Nach dem Ölpreis-Crash ist Russland nun doch zu neuen Verhandlungen mit Saudi-Arabien über Fördermengen bereit. Ein Kompromiss mit dem Land bei der Reduzierung der Öl-Fördermengen sei nicht ausgeschlossen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag.

Auf dem Ölmarkt hatte zum Wochenauftakt ein Preiskrieg begonnen. Hintergrund ist, dass sich Russland und Saudi-Arabien in der vergangenen Woche nicht darauf einigen konnten, die bisherige Vereinbarung über reduzierte Fördermengen zu verlängern.

Daraufhin ging Saudi-Arabien in die Offensive. Der größte Ölkonzern der Welt Saudi-Aramco wird seine Förderung ab April hochfahren und damit den Markt mit Öl fluten. Ab April fördert der halbstaatliche Konzern täglich 12,3 Millionen Barrel (159 Liter) Öl, kündigte Firmenchef Amin Nasser am Dienstag an. Das seien 300.000 Barrel mehr, als das Unternehmen auf längere Zeit produzieren könne. Die Aktien legten um bis zu 9,3 Prozent zu.

Die Ankündigung Saudi-Arabiens den Ölhahn weiter aufzudrehen, führte zu einem Einbruch des Ölpreises von mehr als 30 Prozent. Einen Tag danach sagt nun der russische Energieminister Alexander Nowak in Richtung Saudi-Arabien: "Die Türen sind nicht geschlossen." Russland sei bereit, seine Zusammenarbeit mit dem Ölkartell Opec und den in der Opec+ vereinten Förderländern fortzusetzen. Der Energieminister ging davon aus, dass es Monate dauern könne, bis sich der Ölpreis erhole.

In der von Einnahmen aus dem Ölgeschäft abhängigen Rohstoffgroßmacht sorgte der Crash für Turbulenzen. Der Rubel verlor massiv an Wert gegenüber dem US-Dollar und dem Euro. Die Aktien von Energiefirmen wie Rosneft, Lukoil und Gazprom fielen um zwischen 12 und 15 Prozent. Danach verloren auch russische Technologieaktien.

Massive Preisanstiege in Russland

Während die Regierung betonte, auf den Preisschock vorbereitet gewesen zu sein, kritisierten russische Medien "Chaos" in Russland. Niemand habe die Menschen darauf vorbereitet, schrieb etwa die Zeitung "Kommersant".

Die Wirtschaft des Landes steckt wegen weitreichender Sanktionen der EU und der USA gegen Russland im Zuge des Ukraine-Konflikts seit Jahren in der Krise. Die Menschen klagen über gesunkene Einkommen und massive Preissteigerungen etwa bei Lebensmitteln. Verschärft hatte sich die Situation zuletzt wegen des Coronavirus.