An den Börsen ist es wegen der Coronavirus-Krise und der damit einhergehenden Rezessionsängste im Laufe dieser Woche so steil bergab gegangen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek spricht von einem der "schwersten Kursverfälle, die ich selbst erlebt habe in den vergangenen 40 Jahren". Er sieht jedoch bereits wieder Licht am Ende des Tunnels.

So gehe der Goldpreis, der an den Märkten als wichtige Krisenwährung gilt, nach seinem starken Anstieg der vergangenen Tage bereits etwas zurück. Aktuell steht Gold bei 1585 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Am Mittwoch war der Preis für das gelbe Edelmetall noch auf bis zu 1670 Dollar gestiegen und hatte damit so hoch wie noch nie notiert. "Das ist ein gutes Zeichen", so Brezinschek am Freitag. Denn es sei ein Anzeichen, dass die Anleger den Schock als temporär einstufen und nicht einen systemischen Schock sehen wie etwa in der Finanzkrise 2008.

"Wenn es ein systemisches Problem wäre, müsste Gold schon längst in Richtung 2000-Dollar-Marke angestiegen sein", meint Brezinschek. Geht es nach ihm, dürften die Aktienmärkte den größten Teil des Rückschlags bereits gesehen haben.

In den nächsten Wochen werde an den Märkten wohl vor allem versucht werden, einen Boden zu finden, sagt Brezinschek weiter. Wie schnell das gehe, hängt jedoch nach seiner Einschätzung vor allem davon ab, wie rasch die derzeit beschleunigte Ansteckungsrate für das Coronavirus wieder abnimmt. Nimmt man den Verlauf in China als Modell, sei davon auszugehen, dass sich die Situation in Europa ab Mitte April wieder normalisieren könnte.

Italien, Spanien und Südkorea
verhängen Leerverkaufsverbot

Am Freitag ging es an den europäischen Börsen zunächst deutlich nach oben. Ein Teil der massiven Vortagesverluste konnte damit aufgeholt werden, aber nur kurzfristig.

So notierte der marktbreite Eurostoxx-50-Index im Handelsverlauf mit bis zu rund 8 Prozent im Plus, während der DAX in Frankfurt und der ATX in Wien um bis zu 9,0 Prozent beziehungsweise 7,5 Prozent zulegten (noch am Donnerstag hatten beide Leitindizes historische Kursverluste erlitten).

Doch in weiterer Folge bröckelten die Börsengewinne in Europa ganz oder zu einem Gutteil wieder ab, obwohl vom Dow-Jones-Index in New York, dem weltweit wichtigsten Aktienbarometer, positive Vorgaben kamen.

In Italien und Spanien, aber auch in Südkorea hat die Wertpapieraufsicht mittlerweile ein Verbot für Leerverkäufe auf eine Reihe von Aktienwerten verhängt. Damit soll verhindert werden, dass Spekulanten weiter auf fallende Kurse wetten und damit den Abverkauf noch beschleunigen. Bei Leerverkäufen (short-selling) werden Aktien oder Anleihen veräußert, die gegen eine Gebühr bloß ausgeliehen werden, um von sinkenden Kursen in der Zukunft zu profitieren. Geht die Wette auf, werden Gewinne gemacht. Steigen die Kurse bis zum vereinbarten Rückgabezeitpunkt aber, fallen Verluste an.

Der Chef der Wiener Börse, Christoph Boschan, ist offen für eine Ausweitung des Leerverkaufverbots, sofern dies auf europäischer Ebene erfolgt. Von einem "nationalen Alleingang" hält er jedoch nichts. Auch die Deutsche Börse verhängt trotz der Börsenturbulenzen kein Verbot für Leerverkäufe. Einen solchen Schritt ergreife man nicht, hieß es dort.

Bankfilialen in Österreich
haben weiterhin geöffnet

Abseits des Börsengeschehens hat die Bundesregierung am Freitag in Wien verkündet, dass die Banken in Österreich offenbleiben - im Gegensatz zu vielen Geschäften, die jetzt vorübergehend zusperren. Finanzminister Gernot Blümel riet den Geldinstituten nach einem Spitzengespräch am Freitag, IT-Wartungen nach Möglichkeit zu verschieben. Auch Internet-Zahlungen und Überweisungen sollen reibungslos laufen.

Ein weiteres Thema des Spitzengesprächs der Hochfinanz war die Bargeldversorgung. Dazu teilte Nationalbank-Chef Robert Holzmann mit: "Die Nationalbank hat ausreichende Bargeldreserven, um die Bankomatbetreiber, die Banken und die Wirtschaft mit Bargeld zu versorgen. Aus diesem Grund wurden im Bargeldbereich der Nationalbank auch die Öffnungszeiten ausgeweitet."

Bank Austria und Erste Bank informierten am Freitag ihre Kunden auch gesondert, dass die Filialen weiterhin geöffnet sind. Die "Erste" verwies zudem auf eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, aus hygienischen Gründen auf Bargeldzahlungen zu verzichten. Auch dies könne bei der Eindämmung des Coronavirus helfen.

Österreicher stürmen
die Banken wegen Bargeld

Indes beheben die Österreicher derzeit deutlich mehr Bargeld als sonst. Laut Nationalbank ist das aber überhaupt nicht nötig. In Österreich gebe es fast 9000 Bankomaten, Geldinstitute und Bankomatbetreiber kämen dem Bestücken der Ausgabeautomaten laufend nach, so die Notenbank. Und es gebe praktisch in jedem Handelsgeschäft - vor allem im Lebensmittelhandel - die Möglichkeit, auch mit Karte zu bezahlen.(apa/kle)