Der deutschen Wirtschaft droht dem IfW-Institut zufolge heuer wegen der Coronakrise ein Konjunktureinbruch von bis zu 9 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) falle um 4,5 Prozent, sofern die derzeitige Stresssituation nur bis Ende April andauere und sich dann ab Mai allmählich entspanne, teilte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag mit.

"Dies wäre ein Rückgang der Wertschöpfung von 150 Milliarden Euro", hieß es dazu. Setzt die Erholung aber erst drei Monate später im August ein, würde das BIP um 8,7 Prozent fallen.

In beiden Szenarien rechnet das IfW im März mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um fast 18 Prozent zum Vormonat. Dieses niedrige Niveau werde voraussichtlich auch im April noch weitgehend Bestand haben. Aufgrund der weltweiten Belastung der Konjunktur sei von keinen nennenswerten Nachholeffekten im weiteren Jahresverlauf auszugehen.

Optimismus für 2021

Optimistischer sind die Kieler Forscher für 2021. Dann könne es aufgrund von Aufholeffekten ein Wachstum zwischen 7,2 und 10,9 Prozent geben. "Die Entwicklung in diesem Jahr stellt eine krasse Ausnahmesituation dar", sagte IfW-Konjunkturexperte Stefan Kooths. "Die Produktionseinbußen sind der Reflex auf einen massiven exogenen Schock, für den es in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte keine Vergleichsmuster gibt. Der Einbruch der Börsenkurse und das Zurückfahren von Produktionsprozessen erfolgt viel rasanter als während der durch die Globale Finanzkrise ausgelösten Großen Rezession 2008/2009." Allerdings stünden auch die Chancen gut, rascher wieder aus dem Produktionstal herauszukommen.

Geschäftsklimaindex gesunken

Die Coronavirus-Krise schürt in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft Sorgen vor einer kräftigen Rezession. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im März auf 87,7 Punkte, nach 96,0 Zählern im Februar, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag nach vorläufigen Ergebnissen zu seiner Umfrage unter rund 9.000 Managern mitteilte.

Dies ist der stärkste Rückgang seit 1991 und der niedrigste Wert seit August 2009. 

Wegen der weltweiten Auswirkungen des Coronavirus befürchten die meisten Ökonomen 2020 für die exportlastige deutsche Wirtschaft einen deutlichen Konjunktureinbruch. In der Finanzkrise 2009 war die Konjunktur um fast sechs Prozent eingebrochen.

Das Ifo will die endgültigen Ergebnisse seiner monatlichen Umfrage unter 9.000 Unternehmen am 25. März bekannt zu geben. "Angesichts der ungewöhnlichen Lage" wegen der Virus-Pandemie legten die Münchner Forscher nun erstmals seit Beginn der Erhebung 1949 vorläufige Daten vor. Für das Geschäftsklima werden Manager aus Industrie, Dienstleistungssektor, Baubranche sowie Groß- und Einzelhandel gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate mitzuteilen. (apa, reuters)