Die Corona-Krise stürzt den US-Jobmarkt vom Boom in die Krise - mit einer beispiellosen Flut von Anträgen auf Arbeitslosenhilfe. In der vergangenen Woche stellten knapp 3,3 Millionen Amerikaner einen entsprechenden Erstantrag, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Experten hatten lediglich eine Million auf dem Zettel.

Der bisherige Höchststand wurde 1982 erreicht - mit damals 695.000 Gesuchen. Experten sehen den aktuellen Anstieg als Beleg für eine größere Entlassungswelle. Sie befürchten, dass bald noch weit mehr Amerikaner auf der Straße stehen dürften. US-Finanzminister Steven Mnuchin sieht die Zahlen zurzeit allerdings als "nicht relevant" an. Er hoffe, dass die Menschen wieder eingestellt würden, betonte er.

Weiter massiver Anstieg befürchtet

US-Präsident Donald Trump muss jetzt mit stark steigenden Arbeitslosenzahlen in seinem Land rechnen. - © APAweb / AFP
US-Präsident Donald Trump muss jetzt mit stark steigenden Arbeitslosenzahlen in seinem Land rechnen. - © APAweb / AFP

Viele Ökonomen bleiben jedoch skeptisch: "Die Arbeitslosenquote wird in den nächsten Monaten massiv ansteigen", prognostizierte Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. Sie werde zur Jahresmitte einen Nachkriegsrekord erreichen. Bis dann könne die Quote von zuletzt 3,5 Prozent auf 11,5 Prozent steigen. Angesichts solch düsterer Aussichten hat die Politik ein zwei Billionen Dollar schweres Hilfspaket geschnürt - das größte in der Geschichte der USA. Es soll am Freitag in Kraft treten. Es dient dazu, Familien, Arbeitslosen und Firmen in der Krise unter die Arme zu greifen und sieht überdies Milliarden-Hilfen für das Gesundheitssystem vor.

Die Aufgabe erscheint gewaltig: Denn die Corona-Krise könnte nach Ansicht des US-Währungshüters James Bullard kurzfristig fast 50 Millionen Amerikaner ihren Job kosten. Dies seien insbesondere Arbeitsplätze mit Publikumsverkehr - also Tätigkeiten, bei denen es zum Kontakt mit der Öffentlichkeit kommt, sagte der Chef des Fed-Bezirks von St. Louis zuletzt.

Notenbankchef sieht noch Spielraum

Die Notenbank steht nach Worten ihres Präsidenten Jerome Powell in der Virus-Pandemie weiter als Krisenhelfer für die Wirtschaft parat. Die Währungshüter seien bereit, überall dort einzugreifen, wo es bei Krediten klemme, sagte er dem Sender NBC. Die Fed werde dabei wie bisher offensiv vorgehen. Auch wenn der Leitzins bereits nahe null steht und die Fed ein umfangreiches Krisenpaket geschnürt hat, sieht Powell das Arsenal noch nicht geleert. Es bestehe "noch Spielraum" für weitere Maßnahmen, sagte er.

Womöglich gleite die US-Wirtschaft gerade in die Rezession. Doch er erwarte, dass die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte wieder anspringe, ergänzte Powell. Die US-Wirtschaft war zuletzt gut in Schuss: Ende 2019 wuchs sie auf das Jahr hochgerechnet um 2,1 Prozent. Angesichts des drohenden Konjunktureinbruchs hatte die Fed jüngst ein breit angelegtes Programm beschlossen, mit dem der Kreditfluss an Haushalte und Firmen abgesichert werden soll.

Experten bezweifeln allerdings, ob sie damit eine Pleitewelle verhindern kann. Die Stilllegung großer Teile der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens zur Bekämpfung der Virus-Ausbreitung führt in vielen Branchen zu Einnahmeneinbrüchen. (reuters)