Die deutsche Konjunktur dürfte nach Ansicht der Wirtschaftsweisen wegen des Coronavirus nicht so stark einbrechen wie im Finanzkrisenjahr 2009. Die Ökonomen und Regierungsberater sagen für 2020 allerdings eine kräftige Rezession voraus. Vor allem im ersten Halbjahr dürfte ein starker Abwärtsstrudel nicht zu vermeiden sein, erklärte der Sachverständigenrat am Montag.

Die Experten spielen drei Varianten durch. Im Basisszenario - und derzeit wahrscheinlichsten Fall - schrumpft die deutsche Wirtschaft heuer um 2,8 Prozent und zieht im nächsten Jahr um 3,7 Prozent an. Im schlimmsten Fall würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen und 2021 nur sehr langsam um 1,0 Prozent wachsen. Die Erholung hätte dann den Verlauf eines langen "U".

Dazu könnte es den drei Wirtschaftsweisen zufolge kommen, wenn die gesundheitspolitischen Maßnahmen über den Sommer hinaus andauern und sich die Konjunktur erst 2021 wieder erholt. Die Regierung müsste dann wohl neue Hilfspakete schnüren.

Klare Worte von Regierenden gefordert

"Die getroffenen Politikmaßnahmen reichen dann womöglich nicht aus, tiefgreifende Beeinträchtigungen der Wirtschaftsstruktur zu verhindern." Verschlechterte Finanzierungsbedingungen und eine verfestigte Unsicherheit könnten zudem Investitionen bremsen und zu Kaufzurückhaltung der Konsumenten führen.

In einem weiteren Risikoszenario würde es bei großflächigen Produktionsstilllegungen und ebenfalls länger andauernden gesundheitspolitischen Maßnahmen zu einem Konjunktureinbruch von 5,4 Prozent kommen. Bei einer vergleichsweise schnellen Erholung ("V"-Form) könnte es 2021 aber mit 4,9 Prozent Wachstum wieder bergauf gehen.

"Voraussetzung für eine Rückkehr auf den Wachstumskurs ist die Eindämmung der Corona-Infektionen, so dass sich das soziale und wirtschaftliche Leben normalisiert", betonte der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld. "Eine klar kommunizierte Normalisierungsstrategie kann die Erwartungen der Unternehmen und Haushalte stabilisieren und die Unsicherheit verringern." Klare Worte trügen auch dazu bei, Erwartungen an den Finanzmärkten zu stabilisieren.

Weiterbildung fördern

Die Politik sollte die Erholung flankieren. "Erstens sollten unternehmerische Kapazitäten über den Einbruch hinweg möglichst erhalten bleiben." Das Maßnahmenpaket der Regierung zur Unterstützung von Firmen und Beschäftigten komme zur richtigen Zeit. Zudem sollten wirtschaftspolitische Maßnahmen helfen, die Einkommen zu stabilisieren.

Drittens sollte die nächste Zeit bestmöglich genutzt werden, um die Erholung und die langfristige wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen. Hier könnten etwa Weiterbildungen gefördert, Bauprojekte angeschoben und die Digitalisierung für Firmen und öffentliche Verwaltung vorangetrieben werden, heißt es in dem 101-seitigen Gutachten "Die gesamtwirtschaftliche Lage angesichts der Corona-Pandemie". (apa,dpa)