Die Zahl der Todesfälle im Iran hat sich am Dienstag auf fast 2900 erhöht. In den vergangenen Stunden seien mehr als 3100 Corona-Neuinfektionen dazugekommen: Der Iran ist neben Italien, Spanien und den USA eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder - und das schon länger. Der Virus hatte sich dort nach China und Südkorea schon ganz früh bemerkbar gemacht und schon Ende Februar Todesopfer gefordert. Das war nur der Anfang. Das Land kämpft mit einer chronischen medizinischen Unterversorgung. Inzwischen stehen die Dinge so schlimm, dass sich die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, erst vergangene Woche für ein Aussetzen der Sanktionen gegen den Iran ausgesprochen hat.

Das Land kämpft nicht nur mit seinen Kranken, seinen Toten, sondern auch mit der Unmöglichkeit, im Ausland Nötiges zuzukaufen. Und selbst wenn: Teheran kann es sich derzeit kaum leisten. Das, was ohne Wirtschaftssanktionen noch geblieben ist - der Tourismus -, ist inzwischen eingebrochen, gerade zur Hauptsaison - dem persischen Neujahrsfest, das dieses Jahr auf den 20. März fiel. Auch das geht empfindlich ins Staatsbudget des Landes, das vor allem stark unter den US-Sanktionen leidet.

Zur Erinnerung: US-Präsident Donald Trump hat 2018 das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt. Damit sorgten die USA nicht nur für Rechtsunsicherheit für künftige Geschäfte (wie viel gilt eine Zusage Washingtons, wenn die Administration wechselt?), sondern erhöhten auch den Druck auf internationale Unternehmen. Der Iran war wieder ein Paria, mit dem niemand Geschäfte machen darf. Die Strafe: Sollten Unternehmen mit dem Land in Verbindung treten, dürfen sie mit den USA keine Geschäfte mehr machen. Dasselbe gilt auch für Banken. Damit waren Darlehen für internationale Geschäfte so gut wie gestrichen. Denn keine Bank der Welt will bei den USA vor verschlossenen Türen stehen.

Einige europäische Staaten wollten aber den Wirtschaftsaufschwung, den man dem Iran im Gegenzug zur Beschränkung des Atomprogramms versprach, auf einem anderen Weg durchsetzten. Und so gründeten Frankreich, Deutschland und Großbritannien die Zweckgesellschaft "Instex", der Name ist eine Abkürzung für "Instrument in Support of Trade Exchanges".

Lange war es ein Rohrkrepierer

Mit diesem Vehikel sollte dem Iran internationaler Handel weiterhin ermöglicht werden. Gegründet wurde Instex vor über einem Jahr - und lange ist nichts passiert, außer, dass der designierte Chef des Vehikels plötzlich doch nicht wollte. Vielleicht wurde es ihm zu langweilig. Nichts schien zu passieren. Ende 2019 sind immerhin weitere sechs europäische Länder - Belgien, Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland und die Niederlande - der Handelsplattform beigetreten. Der Iran war davon denkbar unbeeindruckt. Die Frage war, ob es überhaupt was bringt, hieß es von Teheran unumwunden, deutlich desillusioniert.

Und doch scheint sich nun im Zuge der Corona-Krise etwas getan zu haben. Am Dienstag hieß es plötzlich: Die erste Transaktion ist nun abgeschlossen. Die Güter seien in den Iran geliefert worden. Dabei handelte es sich freilich um nichts weniger als die Ausfuhr medizinischer Geräte aus Europa in den Iran, teilte das deutsche Außenministerium mit. Humanitäre Hilfsgüter, wie Medikamente und medizinische Ausrüstung, sind zwar von den Sanktionen ausgenommen. Aber ohne Instex kann sie Teheran nicht am Markt kaufen, weil die Banken aus Furcht vor den Vereinigten Staaten keine Geschäfte mit der islamischen Republik absichern wollen.

Die USA haben zuletzt wieder bekräftigt, dass das Coronavirus für sie kein Grund für die Aussetzung der Sanktionen ist. Man würde aber dem Iran gerne Medikamente liefern. Ein Angebot, dass der Iran ablehnte und als "Glas Schmutzwasser" bezeichnete. Die Beziehung zwischen den beiden Ländern ist auch dank des Irak-Konfliktes auf einem Tiefpunkt.