Die Viruskrise hat den jahrelang boomenden US-Jobmarkt jäh auf eine Talfahrt Richtung Massenarbeitslosigkeit geschickt. Im vorigen Monat wurden 701.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft abgebaut - rund sieben Mal mehr als von Experten erwartet. "Es ist der erste und sehr deutliche monatliche Stellenverlust seit 2010", erläuterte Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba die historische Dimension der Zahlen. Dabei spiegeln die am Freitag von der Regierung veröffentlichten Daten nicht einmal das ganze Ausmaß des Einbruchs am Jobmarkt wider, da die Statistik wegen eines frühen Stichtags Millionen Entlassungen in der zweiten Monatshälfte gar nicht erfasst.

Allein vorige Woche hatten rund 6,65 Millionen Amerikaner staatliche Arbeitslosenunterstützung angefordert - ein Negativrekord. In den letzten beiden Wochen waren es zusammen zehn Millionen. Die in einer separaten Umfrage ermittelte Arbeitslosenquote sprang im März auf 4,4 Prozent von 3,5 Prozent. Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank geht davon aus, dass unter Berücksichtigung der Erstanträge die Quote bereits im Bereich von zwölf Prozent liegen dürfte: "Das wäre dann die höchste Arbeitslosenquote seit dem Zweiten Weltkrieg. Der wirtschaftliche Schaden durch das Coronavirus ist monströs."

Sorgen sind groß

Der drastische Jobabbau im März konnte die Anleger an der Wall Street nach den jüngsten Hiobsbotschaften vom Arbeitsmarkt nicht mehr schockieren. Gestützt auf kräftig steigende Ölpreise lagen die Indizes sogar knapp im Plus. Dennoch sind die Sorgen groß: "Der Job-Bericht lässt das Erdbeben und die Nachbeben, die den US-Arbeitsmarkt durchziehen, bereits erahnen", sagte Joe Brusuelas, Chefökonom beim Vermögensverwalter RSM. "Was wir momentan sehen, ist der größte Aderlass auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt seit der Großen Depression".

Als Symptom der Virus-Krise gilt auch, dass die Geschäfte der US-Dienstleister im März so langsam gewachsen sind wie seit Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanager-Index fiel auf 52,5 Punkte von 57,3 Zählern im Vormonat, wie aus der am Firmen-Umfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Das ist der schlechteste Wert seit August 2016, doch zeigt er mit einer Ziffer über 50 immerhin noch leichtes Wachstum an.

Der Top-Wirtschaftsberater des US-Präsidenten, Larry Kudlow, sieht die US-Wirtschaft in einer "sehr schmerzvollen" Schrumpfkur. Es sei auch in den nächsten Wochen keine Besserung in Sicht, sagte der Berater von Präsident Donald Trump im US-Fernsehen. Doch werde es letztlich eine wirtschaftliche Erholung geben, wenn die Krise ausgelaufen sei.

"Jobmotor stoppt"

Die sich eintrübende Lage der Dienstleister und der Anstieg der Arbeitslosigkeit gehen einher mit Ausgangsbeschränkungen in weiten Teilen der USA. Die meisten US-Bundesstaaten haben ihre Bürger wegen der Ansteckungsgefahr aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Die USA sind weltweit das Land mit den meisten Infektionsfällen.

Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im April und Mai noch drastischer hochschnellen und bisherige Nachkriegsrekorde aus den Jahren 1982 und 2010 wohl übertreffen dürfte: "Es wird wohl Monate dauern, bis sich die Arbeitsmarktlage halbwegs normalisiert, selbst dann wenn sich die Ansteckungsrate über den Sommer zurückbildet."

Der amerikanische Staat hat neben billionenschweren Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft unter anderem 100 Milliarden Dollar für Arbeitslosengeld und Lebensmittelhilfen auf den Weg gebracht, um die Folgen des Konjunktureinbruchs abzufedern.

Und die US-Notenbank hatte die Zinsen auf nahe null gesetzt und ein breit angelegtes Programm aufgelegt, mit dem der Kreditfluss an Haushalte und Firmen abgesichert werden soll. Zudem will sie mit Wertpapierankäufen das reibungslose Funktionieren der Märkte und die Umsetzung der Geldpolitik gewährleisten. "In den kommenden Monaten wird sich zeigen müssen, ob die bisher von der Fed oder auch von der US-Regierung ergriffenen Maßnahmen ausreichend sind, eine Wiederbelebung der Konjunktur zu unterstützen", so Helaba-Experte Umlauf. (apa, reuters)