Die Corona-Krise schlägt voll durch, das Wirtschaftsleben steht still, nur wenige profitieren von der gegenwärtigen Situation: Skrupellose Börsianer etwa, die auf den Niedergang europäischer Unternehmen gewettet haben. Und Produzenten von Schutzmasken, von Desinfektionsmittel und Lebensmittel-Riesen.

Der große Rest hat den Ruin vor Augen, ist auf staatliche Hilfsprogramme angewiesen. Große Konzerne, die als Arbeitgeber politisch bedeutsam sind, stehen vor der (Teil-)Verstaatlichung - eine Perspektive, die für viele im Management nicht sehr erbaulich sein dürfte.

Doch Not macht bekanntlich erfinderisch und es gibt zahlreiche kleine und auch große Unternehmer, die sich mit der tristen Situation nicht abfinden wollen. Und die auf Ideen kommen, die erstaunen.

Tacos und Klopapier

So herrscht etwa im Schweizerhaus im Wiener Prater gähnende Leere - ebenso in einem nahe gelegenen lateinamerikanischen Speiselokal mit großzügigem Garten. Dort hat man allerdings auf Lieferservice umgestellt und wartet mit Ungewöhnlichem auf: "Butter, H-Milch, Zucker, Mehl und Klopapier" gibt es jetzt, wie auf der Homepage zu lesen ist. Dazu kann man jetzt "Hygieneartikel" aller Art erstehen, unter anderem Latexhandschuhe, Atemschutzmasken ("stock out!") und Desinfektionsmittel. Gerne auch abzuholen.

Aus welchen geheimen Quellen der Wirt seine Bestände auffüllt, ist nicht bekannt. Die Preise sind allerdings stolz.

Aber auch größere Firmen wissen sich zu helfen, etwa die in arge Nöte geratene deutsche Hotellerie. Dort will man mit einem neuen Geschäftsmodell wenigstens einen Teil der leer stehenden Zimmer vermieten und bietet Räume als "Alternative zum Homeoffice" an.

Zu den Hotelketten, die entsprechende Angebote machen, gehört Welcome Hotels. "Wenn Ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt und produktives Arbeiten schwerfällt, bieten wir in unseren Hotels eine perfekte Alternative", so das Unternehmen. Die Hotelkette Achat preist ihre Hotelzimmer als "Einzelbüros" an - inklusive Zimmerservice und zu Sonderraten.

Oft finden sich Tagessätze von 39 Euro - teilweise auch darunter. Auf dem Portal "homeoffice-im-hotel.de" fanden sich zuletzt 142 Hotels mit entsprechenden Angeboten.

Digitalen Geschäftsmodellen gehört die Zukunft, nach der Corona-Krise mehr denn je. Wer online nicht präsent ist, der geht unter. "PC-Doktoren" aller Art haben derzeit Hochkonjunktur, freilich nur dann, wenn sie "Fernwartung für Rechner, die in Not sind", anbieten. Und Videotelefonie im Seniorenheim ist sehr nachgefragt.

Überhaupt reicht es oftmals schon, wenn man das bestehende Angebot ein wenig an die neuen Verhältnisse anpasst. Das hat der deutsche Kleinunternehmer Michael Kux gemacht, der jetzt Trennwände als "Spuckschutz" anbietet und als "hervorragend für Praxen, Kanzleien, Geschäfte", anpreist. Und nicht darauf vergessen hat, "Montage und Lieferung sehr kurzfristig" anzubieten.

Betagtere Zeitgenossen sollten bekanntlich nicht mehr hinaus auf die Straße - was also tun, wenn das Fernsehprogramm nichts mehr hergibt? Eine Firma in Wuppertal hat sich auf "Bausätze für Senioren" spezialisiert. Da können Großvater und Großmutter bastelnd die kontaktarme Zeit überstehen.

Das Geschäft mit dem Tod

Abseits davon verzeichnen Bestattungsunternehmen einen spürbaren Anstieg in den Auftragsbüchern. Das bringt einer Branche, die auf Diskretion, Anteilnahme und gutes Benehmen großen Wert legt, theoretisch ein Umsatz-Plus.

Die Sache ist aber mit Schwierigkeiten verbunden. Denn große Begräbnisfeierlichkeiten sind derzeit wegen der Infektionsgefahr nicht möglich, kondoliert wird nicht mehr mit Händedruck, generell ist Abstand zu halten. Wer nicht im gleichen Haushalt lebt, muss einen Meter Distanz wahren. Mehr als fünf Personen dürfen sich nicht einfinden, hier sind Bestattungspersonal und Priester schon inkludiert. Auch Weihwasser und Erde sind jetzt tabu.

Der Leichnam eines an Covid-19 Verstorbenen ist infektiös, was von den Bestattern besondere Vorsicht verlangt. In Niederösterreich soll sich bereits eine Person bei einem Begräbnis infiziert haben.

Auch hier ist Flexibilität gefragt, wer in Zeiten wie diesen Feuerbestattung anbietet, hat gewonnen. Davon ist jedenfalls der St. Pöltner Unternehmer Jörg Bauer überzeugt, wie er gegenüber der "NÖN" sagt. Denn nach der Einäscherung kann die Urne gelagert werden und die Trauerfeier in größerem Kreis inklusive obligatem Leichenschmaus dann abgehalten werden, wenn sich die Zeiten wieder normalisiert haben.

"Dogwalken" statt stempeln

Auf ungeahnte Probleme stoßen Hundebesitzer dann, wenn sie in verordneter Quarantäne sind, die Wohnung also nicht verlassen dürfen. Die Frage ist, wer mit dem Vierbeiner dann "Gassi" geht.

Professionelle Hundefreunde und Neueinsteiger haben die erweiterten Geschäftsmöglichkeiten natürlich erkannt und bieten hier ihre Dienste an. Hunde sind vom aktuellen Virus nicht betroffen, allerdings müssen bei der Übergabe des Tieres bestimmte Hygienemaßnahmen zwingend eingehalten werden. Ungefähr zehn Euro pro Stunde verlangt ein "Dogwalker", hat er zugleich mehrere Hunde an der Leine, ist das Geschäft mit dem "Geschäft" sogar halbwegs einträglich.